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Pressemitteilung der Evangelischen Akademie im Rheinland

„Lebhafter christlich-islamischer Dialog am Vorabend des 500-jährigen Reformationsjubiläums“

(Bonn, 10.10.2016) Ein gemeinsames Symposium der Evangelischen Akademie im Rheinland, des Muslimischen Forums Deutschland (MFD) und der Konrad Adenauer Stiftung (Politisches Bildungsforum NRW) befasste sich am vergangenen Wochenende in Düsseldorf mit der Frage, ob eine Reformation im Islam möglich ist.

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Ausgehend von der Frage, was Reformation ist und wie sie zu gestalten sei, diskutierten Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen sowie Akteure des christlich-islamischen Dialogs, ob sie auf andere Religionen, wie etwa den Islam, übertragbar ist.

Der renommierte Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Dr. h.c. Jörn Rüsen (Kulturwissenschaftliches Institut in Essen) sprach sich dafür aus, die Reformation nicht ausschließlich als ein religiöses Phänomen zu betrachten. Vielmehr sei die Reformation ein gesamtgesellschaftlicher Prozess der Erneuerung und Herauslösung aus erstarrten, autoritären Strukturen gewesen. Die Vernunft diente dabei als Motor der geistigen Erneuerung, ohne jedoch den Glauben zu vernachlässigen. Die Reformation habe den Menschen aufgefordert, seine ganz eigene Beziehung zu Gott zu suchen, statt auf die Vermittlung durch einen Klerus zu vertrauen.

In diesem Zusammenhang sprach der Münsteraner islamische Theologe Prof. Dr. Mouhanad Khorchide von einer „dialogischen Beziehung zwischen Gott und Mensch“. Im Laufe der Entwicklung der islamischen Orthodoxie habe sich jedoch ein monologisches Gottesbild durchgesetzt, das durch eine enge Orientierung am koranischen Text geprägt sei.

Der Islambeauftragte der Evangelischen Kirche im Rheinland, Kirchenrat Rafael Nikodemus, betonte, dass eine Reformation im Islam allein von Muslimen ausgehen müsse. Eine einfache Übertragung reformatorischer Ansätze aus dem christlichen Kontext auf den Islam sei nicht zielführend und entspreche auch nicht den Erwartungen der Mehrheit der Muslime.

Kooperationspartner: Muslimisches Forum Deutschland Kooperationspartner: Muslimisches Forum Deutschland

Dass es durchaus islamische Reformer gegeben habe, wie z.B. der Ägypter Muhammad Abduh (1849-1905), der die Reformation in Europa rezipiert und versucht habe, die Moderne mit dem Islam zu versöhnen, hob der Marburger Islamwissenschaftler Dr. Assem Hefny hervor. Darüber hinaus seien vor Abduh immer wieder Reformer aufgetreten, die sich um neue geistige Impulse bemüht haben. Durch das Aufkommen fundamentalistischer Strömungen im 20. Jahrhundert seien diese reformerischen Bemühungen jedoch zum Stillstand gekommen.

Der Salafismus sei z.T. eine Reaktion auf die Reformbestrebungen unter den Muslimen, sagte der Islamismus-Experte Dr. Marwan Abou Taam. Die Konstruktion von Feindbildern und die Abwertung Andersdenkender ersticke jeden reformatorischen Ansatz jedoch im Keim.

Eine andere Perspektive stellte die Migrationsforscherin Dr. Dana Fennert vor, die über das reformatorische Potenzial der Frauenbewegung in den islamisch geprägten Gesellschaften sprach. Durch neue hermeneutische Zugänge zu Koran und Sunna versuchten muslimische Frauen die Gleichstellung mit dem Mann zu erreichen.

Aladdin Sarhan, Leiter des MFD-Arbeitskreises „Gesellschaftlicher Friede und innere Sicherheit in Deutschland“, hob hervor, dass die Erneuerung des innerislamischen Diskurses zur Lösung innerislamischer Konflikte und zur Akzeptanz Andersdenker beitragen könne. Der Schlüssel dazu sei die Schaffung neuer humanistisch geprägter theologischer Zugänge durch aufgeklärte Muslime und eine humanistisch angelegte religiöse Bildung.

Muslime in Deutschland müssen sich mit der Frage auseinandersetzen, welche Rolle sie künftig in der Gesellschaft spielen wollen, sagte Jörgen Klußmann, Studienleiter der Evangelischen Akademie im Rheinland. Es fänden sich bei einigen muslimischen Intellektuellen zeitgemäße demokratische und rechtsstaatliche Ansätze, die positiv auf das gegenwärtige und künftige Zusammenleben in der deutschen Gesellschaft wirken könnten.

Dr. J. Christian Koecke, Konrad-Adenauer-Stiftung wies darauf hin, dass es in Zeiten einer zunehmend undifferenzierten und emotionalen Debatte über den Islam von großer Bedeutung ist, wenn die Vielfalt muslimischen Glaubens und die Ansätze zu einem modernen Denken erkennbar werden.

Kooperationspartner: Konrad-Adenauer-Stiftung Kooperationspartner: Konrad-Adenauer-Stiftung

Weitere Vorträge befassten sich mit dem Gottes- und Menschenbild im Islam und ihren Auswirkungen auf das Denken und Handeln des Menschen (Jun.-Prof. Dr. Erdal Toprakyaran / Tübingen), der Vereinbarkeit von Demokratie und Islam (Dr. Martin Riexinger / Aarhus) sowie mit reformatorischen Ansätzen im Schiitentum (Dr. Heydar Shadi / Hamburg).

Alle Referenten und Diskutanten waren sich einig, dass Reformen einen freiheitlich-demokratischen und pluralistischen Kontext brauchen. Ein Rechtsstaat wie Deutschland biete einen solchen Rahmen, der von den Muslimen genutzt werden sollte.

Der Psychologe Ahmad Mansour, Vorstandsvorsitzender des Muslimischen Forums Deutschland, begrüßte die Offenheit und Interdisziplin der Beiträge sowie die undogmatische Atmosphäre des Symposiums. Es brauche mehr solcher Bemühungen, in der Muslime gemeinsam mit Nichtmuslimen so brisante Themen wie die Reformfähigkeit des Islam diskutieren können.

Die Organisatoren, Aladdin Sarhan (MFD), Jörgen Klußmann (Evangelische Akademie im Rheinland) und Dr. J.Christian Koecke (Konrad-Adenauer-Stiftung) werden die Beiträge und die Diskussion in Form eines Sammelbandes im Reformationsjahr 2017 veröffentlichen. Die Veranstalter beabsichtigen zudem eine Fortsetzung der Debatte im Rahmen einer internationalen Tagung in 2017.

Kontakt:
Jörgen Klußmann M.A.
Studienleiter
Themenbereich Politik
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Mehr Informationen zum christlich-islamischen Dialog an der Akademie:
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Jörgen Klußmann M.A. / 10.10.2016



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