Theologie und Naturwissenschaften
I. EINFÜHRUNG
Die Naturwissenschaften und die ihnen folgende wissenschaftlich geleitete Entwicklung der Technik sind eine unübersehbare Voraussetzung für unsere heutige Kultur.
Nichts hat sich für unsere Kultur, die sich aus dem christlichen Abendland herleitet, so wirkmächtig und folgenreich gezeigt, wie die seit dem 17. Jahrhundert sich kontinuierlich entwickelnden Naturwissenschaften. Der Umgang und die Orientierung in der Welt sind in hohem Maße technisiert, das gilt sowohl für die Arbeitsprozesse als auch für die Alltagswelt. Die Techniken durchdringen unser Kommunikationsverhalten ebenso wie auch grundsätzliche Existenzfragen an Lebenswendepunkten wie Geburt, Krankheit, Alter und Tod.
Die Veränderungen unserer Welt durch die zunehmende Erkenntnisfähigkeit und die Gestaltungsmöglichkeiten beeinflussen zutiefst unser Handeln und unser Selbstverständnis.
Die durch Naturwissenschaft und Technik erweiterten Handlungsoptionen stellen uns immer wieder vor neue moralische Probleme. Nach welchen Regeln soll man mit dem neuen Wissen umgehen, mit welchen Maßstäben können in der modernen Gesellschaft moralische Urteile gefällt werden? Beispiele für ethischen Reflexionsbedarf gibt es zuhauf, etwa im Umgang mit der Kernenergie, mit den Biotechnologien, mit dem Energieverbrauch und der Umweltbelastung, mit der Intensivmedizin und mit den elektronischen Medien. Ethischen Reflexionsbedarf gibt es schließlich auch für die Wissenschaften selbst: es gehört heute zum abgesicherten wissenschaftstheoretischen Standard, die Abhängigkeit der wissenschaftlichen Forschung von gesellschaftlichen Strömungen und kulturellen Vorgaben anzuerkennen. Damit stellt sich die Frage der Forschungsethik.
Mit den neuen wissenschaftlich basierten Erkenntnissen ändert sich unser Selbstbild, unser Bild von der Welt, von der Wirklichkeit und schließlich auch unser Bild von Gott. Unsere „Weltanschauung“ ist nicht unabhängig von den naturwissenschaftlich-technisch gestützten Erfahrungen. Das gilt nicht nur für Daten und Fakten, das gilt auch für unsere Leitbilder: Ohne die Erfahrung der Astronauten und die Bilder, die sie machten, hätte das Bild vom „blauen Planeten Erde“ nie so stark und prägend werden können. Weitere Beispiele des Einflusses sind das durch Neurobiologie und Gentechnik geprägte Menschenbild, die Geschlossenheit physikalischer Kosmologietheorien, der Einfluss elektronischer Medien auf unser Zeit- und Weltverständnis.
Der Dialog zwischen Naturwissenschaften und Theologie wird in den angelsächsischen Ländern seit vielen Jahren geführt und ist dort bereits institutionalisiert. Zunehmend gewinnt er jetzt auch bei uns an Gewicht und Popularität. Es ist deutlich geworden, dass dieser Dialog eine notwendige Grundlage für das Selbstverständnis christlicher Theologie im 21. Jahrhundert ist.
Die Evangelische Akademie im Rheinland setzt in diesem Bereich einen Schwerpunkt ihrer Arbeit. Dabei läßt sie sich insbesondere von Fragen leiten wie:
- Wie kann man Lösungen finden für die ethischen Probleme, vor die uns die neuen, durch den naturwissenschaftlich-technischen Fortschritt ermöglichten Handlungsoptionen stellen?
- Welchen Einfluss haben die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse auf unser Selbstverständnis, auf unseren christlichen Glauben, auf die Fragen nach dem Menschlichen in der Welt?
II. THEMEN
Die Akademie geht diesen Fragen in Tagungen, Gesprächskreisen und Veröffentlichungen nach und setzt dabei thematische Schwerpunkte:
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Bioethik
Im Mai 2007 wurde an der Evangelischen Akademie im Rheinland ein Forum Bioethik gegründet. Einmal pro Jahr lädt die Akademie zu einer Veranstaltung im Rahmen des Forums ein.
Darüber hinaus setzt sie sich auch in ihrer weiteren Tagungsarbeit mit Fragen der Bioethik auseinander.
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Neuroethik
Im Januar 2007 hat sich das Forum Neuroethik in Bonn gegründet, eine Kooperation der Evangelischen Akademie im Rheinland mit der Klinik für Epileptologie der Universität Bonn.
Jährlich bieten die beiden Kooperationspartner eine Tagung zu einem Thema der Neuroethik an.
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Internationale Tagungen zu Theologie und Naturwissenschaften
An der Evangelischen Akademie im Rheinland finden seit 2005 im zweijährigen Rhythmus internationale Tagungen zum Dialog zwischen Theologie und Naturwissenschaften statt. Diese Tagungen, kurz als ESSSAT-Tagungen bezeichnet, werden zusammen mit der European Society for the Study And Theology (ESSSAT) ausgerichtet.
Die Arbeitspapiere der Wissenschaftler, die den Tagungen zugrunde lagen, finden Sie unter der Rubrik "ESSSAT-Tagung 2005", "ESSSAT-Tagung 2007", "ESSSAT-Tagung 2009".
Die ESSSAT-Tagungen werden jeweils in einem Tagungsband dokumentiert.
Theologie und Naturwissenschaften
Eine interdisziplinäre Werkstatt
Hrsgg.: Frank Vogelsang, Hubert Meisinger, Andreas Losch, Thorsten Moos, Jan C. Schmidt, Ion-Olimpiu Stamatescu
(Begegnungen 18/2005)
Bonn 2006
ISBN 3-937621-15-6, € 12,00
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Herausforderungen und Grenzen wissenschaftlicher Modelle in Naturwissenschaften und Theologie
Zweite interdisziplinäre Werkstatt
Hgg.: Frank Vogelsang, Hubert Meisinger
(= Begegnungen 16/2007)
Dokumentation der Tagung 16/2007
Bonn 2008
ISBN 978-3-937621-22-7, 12,00 Euro
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Über Darwin hinaus?!
Die unabgeschlossene Geschichte des naturwissenschaftlichen Fortschritts
Dritte interdisziplinäre Werkstatt
Hgg.: Frank Vogelsang, Hubert Meisinger
(= Begegnungen 25)
Dokumentation der Tagung 24/2009
Bonn 2010
ISBN 978-3-937621-32-6, 15,00 Euro
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Perspektiven einer weisheitlichen Theologie
In Kooperation mit der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel führt die Evangelische Akademie im Rheinland eine Tagungsreihe durch, in deren Mittelpunkt die Rolle und die Praxisrelevanz der Theologie für das Leben im 21. Jahrhundert steht. In der Regel findet pro Jahr eine Tagung zu diesem Themenkreis statt. Bisher wurde folgende Themen behandelt:
16. - 18. Mai 2003:
Die Furcht des Herrn ist aller Weisheit Anfang
14. - 16. Mai 2004:
Unser Bild von der Welt und der Glaube an Gott.
Perspektiven der Wahrnehmung in Naturwissenschaft, Alltagserfahrung und theologischer Weisheit
29. - 30. April 2005:
Wie kommt Gott in die Sprache?
Theologische und philosophische Ansätze
13. - 15. Oktober 2006:
An der Grenze unseres Lebens.
Erfahrungen in der Nähe des Todes und ihre theologische Deutung
09. - 11. November 2007:
Quellen des Sinns - Wie kommt der Sinn in die Welt
07. - 09. November 2008:
Ist wahr, was wir wahrnehmen?
Zum Verhältnis von Ästhetik und Theologie
02. - 04. Oktober 2009:
Der Liebe auf die Spur kommen.
Ein Phänomen im sozialen, religiösen und kulturellen Kontext.
Die Tagungen dieser Reihe werden jeweils dokumentiert.
Ansprechpartner für den Themenbereich "Wissenschaft":
Akademiedirektor Dr. Frank Vogelsang
Mail an Dr. Frank Vogelsang
Bietet weiterführende Informationen: www.theologie-naturwissenschaften.de
Wer sich weitergehend mit dem Thema Naturwissenschaften und Theologie beschäftigen möchte, den laden wir ein die Themenseite www.theologie-naturwissenschaften.de zu besuchen.
Diese Webseite richtet sich an diejenigen, die an dem Thema "Theologie und Naturwissenschaften" interessiert sind oder sich bereits mit dem Thema beschäftigt haben. Sie ist ein Angebot der Evangelischen Akademie im Rheinland, in Kooperation mit dem Gesprächskreis "Theologie und Naturwissenschaften" an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel und dem Forum Grenzfragen. Die Redaktion liegt in den Händen von Andreas Losch, Geschäftsführer des Gesprächskreises, verantwortlich von Seiten der Akademie ist ihr Direktor Dr. Frank Vogelsang.
Diese Themenseite bietet Grundsatzartikel zu den Themen Grundlagen, Evolution und Schöpfung, Bioethik, Neuroethik, Wissenschaftstheorie ebenso wie eine laufend aktualisierte Presseschau, einen Veranstaltungskalender und die Möglichkeit, sich an den Diskussionen im Blog zu beteiligen. .
Frank Vogelsang/ hbl / 01.02.2011
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