Hilla Jablonsky
Hilla Jablonsky bei der Eröffnung ihrer Ausstellung im Haus der Begegnung. Foto: Ronald Friese, Bonner Generalanzeiger
"Liebe – Freiheit – Mystik" lautete der Titel der Ausstellung mit Werken in Öl und Acryl.
Diese zentralen Begriffe des Menschseins seien auch zentrale Begriffe im Schaffen der Künstlerin und zugleich, so Gundula Schmidt, Synodalbeauftragte für Kunst und Kultur des Kirchenkreises Bonn bei ihrer Einführung in die Ausstellung, „eine schlichte und präzise Beschreibung ihrer Arbeit.“
Hilla Jablonsky, geboren im Saarland und aufgewachsen in Schleswig-Holstein, wohnt und arbeitet seit mehr als 15 Jahren in Sankt Augustin. Sie wurde 1999 mit der August-Macke-Medaille der Bundesstadt Bonn ausgezeichnet, einige Jahre zuvor erhielt sie bereits den Dr. Theobald-Simon-Kunstpreis Bonn. Seit 1970 ist sie europaweit mit Einzelausstellungen vertreten. Neben ihrer eigenen Schaffen engagiert sich Jablonsky als Kuratorin bei Ausstellung anderer Künstler.
Jablonskys informelle Malerei ist stark durch die Farblichkeit bestimmt und durch die Spannung zwischen Fläche und Linie, glatten Flächen und rauem Untergrund, Fantasie und Disziplin, Energie und Stille. Spannend müsse ihre Kunst sein, das betont Jablonsky ausdrücklich.
In der Ausstellung waren u. a. Bilder zu sehen, die Collagen von Leinwand auf Leinwand sind. Leinwand - für Jablonsky ein Stoff, der dem Leben verbunden ist: Das Neugeborene wird in Leinwand gewickelt, der Verstorbene wird in Leinwand zu Grabe getragen.
Ihre Ausbildung begann sie in den 50er Jahren bei Alexej von Assaulenko (Leningrader Schule) in Plön. Es folgte in den 60er Jahren eine Werkstattausbildung bei Cameron Hoover (abstrakter Expressionismus) in Bremerhaven und im Anschluss daran Unterricht bei Franz Radziwill (magischer Realismus) in Dangast. Anfang der 70er Jahre erweiterte sie ihre Ausbildung bei Albert Paris-Gütersloh in Wien. Im Verlauf ihres künstlerischen Wirkens hat sie ein reiches OEuvre geschaffen.
Wir sind glücklich,“, so Dr. Frank Vogelsang, Direktor der Evangelischen Akademie im Rheinland bei der Eröffnung der Ausstellung am 3. November 2005, „hier im Haus der Begegnung die Werke einer Künstlerin präsentieren zu können, die in dieser Region lebt und deren Ruf weit über Bonn hinaus bekannt geworden ist.“ „ Ihre farbintensiven Bilder haben die Räume des Hauses verändert, sie strahlen eine Intensität aus, die sich nicht auf die Bildfläche allein beschränken lässt, sondern darüber hinaus reicht, in den Raum des Betrachters.“
Ausgerichtet wurde die Ausstellung von den beiden im Haus der Begegnung beheimateten Institutionen, Pädagogisch-Theologisches Institut (pti) und Evangelische Akademie im Rheinland.
Gundula Schmidt bei ihrer Rede anlässlich der Ausstellungseröffnung
Gundula Schmidt, Pastorin i.S., Synodalbeauftragte für Kunst und Kultur des Kirchenkreises Bonn,
anlässlich der Ausstellungseröffnung im Haus der Begegnung, 3. November 2005
"Wenn die Kunst ins Denken fällt ..."
(Auszug)
Liebe – Freiheit – Mystik
Diese Worte müsste ich so sprechen, dass sie durch die Räume hindurch hallen und sie ihren Klang hier ausbreiten.
Wenn Sie genau hinhören - sie vibrieren in den intensiven Farben der Arbeiten von Hilla Jablonsky.
Liebe - Freiheit - Mystik sind drei schlichte und präzise Beschreibungen ihrer Arbeit.
Mit diesen drei Worten steckt sie nicht den Horizont ab, sondern entrollt ihn ins Unendliche…
Ihre Arbeiten sind Spuren darin.
Hilla Jablonsky hebt herkömmliche Definitionen in ihren Arbeiten auf.
In Paradoxen nähert sie sich:
Der Liebe, Freiheit und Mystik
Darin kommt sie der glühenden und explosiven Sprache der Mystik nahe und so entstehen unerwartete, der allgemeinen Meinung widersprechende Behauptungen. Paradoxe – weil die chronologisch operierende Sprache (*Bilder) nicht ausreicht um die Erfahrung mit zu teilen – zwischen Unaussprechlichem und Schweigen.
Die Künstlerin verändert unsere Wahrnehmung.
Liebe: Hilla Jablonsky wendet sich der Welt mit einer unbedingten Liebe zu; einer Liebe, die Schmerz und Schönheit nicht ausschließt. Beides muss gestaltet werden.
Diese unbedingte Liebe ist ihre Motivation, der Motor, die Kraft in ihrer Arbeit.
Die Freiheit: das Ziel und die Vollendung, um die sie als Künstlerin ringt.
Diese Freiheit ist mit dem „ohne Warum“ (sunder warumbe), wie Meister Eckhart es ausdrückt, verbunden.
Wo immer wir zerrissen sind zwischen Sein und Handeln, Empfinden und Tun, da leben wir nicht „ohne Warum“, ohne „sunder warumbe“. Aus dem Leben und Lieben sprudeln ihre Arbeiten hervor.
Liebe hat kein Warum!
Die Mystik: das Geheimnis – auch ihrer künstlerischen Arbeit – setzt beides in eine Spannung – in ein Verhältnis zueinander. Ohne sie würden Liebe und Freiheit trivial oder fanatisch.
So aber werden sie zum Widerstand.
...
Hilla Jablonskys Arbeiten sind Erprobungen wie die Gegenständlichkeit übersetzt werden kann zu einer Vision.
Ihre Kreativität erwächst aus dem Detail, aus einer präzisen, zielgerichteten Aufmerksamkeit. Da ist nicht überschwängliches.
Wirkliches Hinsehen ist entscheidend für die Entstehung von Visionen.
....
„Aber manche Leute wollen Gott mit den Augen ansehen, mit denen sie eine Kuh ansehen, und wollen Gott lieben wie sie eine Kuh lieben. Die liebst du wegen der Milch und des Käses und des eigenen Nutzens. So haltens die Leute, die Gott um des äußeren Reichtums oder inneren Trost willen lieben, die aber lieben Gott nicht recht, sondern lieben ihren Eigennutz.“ (Meister Eckhart)
Und wie sehen wir diese Bilder an? Wie nehmen wir Kunst wahr? Hilla Jablonsky mutet uns diese Frage zu!
Hilla Jablonsky: Wenn die Kunst ins Denken fällt , 2005
Hilla Jablonsky
Einzelausstellung (Auswahl)
1969 Bremen, Galerie Schnoor
1970 Erlangen, Kunstverein
1970 Wien, Palais Palffy
1971 Hamburg, Galerie Lindemann
1973 Witten, Märkisches Museum
1974 Berlin, Deutschlandhaus
1982 Köln, BKK, Hahntorburg
1986 Bonn, Galerie die Wand
1987 Bremen, Galerie Atelierhof
1988 Brüssel, BBL Bank
1989 Bonn, Frauenmuseum
1990 Düsseldorf, Galerie Iris Pabst
1991 Gummersbach, Kunstverein
1992 Zug, Schweiz, Altes Kunsthaus
1993 Köln, Galerie Nilius
1995 Berlin, Verlagshaus Gruner +Jahr
1997 Budapest, Ungarn, Kempinski-Galerie
1998 Saarbrücken, Kulturfoyer
1998 Bonn, Saarländische Landesvertretung
1999 Bonn, Verein An der Synagoge
2000 Wilhelmshaven, Galerie „M“
2001 Bochum, Galerie Ortmann
2002 Bonn, Kurfürstliches Gärtnerhaus
2004 Bonn, Wissenschaftszentrum
Gruppenausstellungen (Auswahl)
1972 Pont-Aven, Gauguin-Museum
1973 Neapel, Consorso Internationale
1979 Wilhelmshaven, Kunsthalle
1982 Bonn, Landesvertretung Nordrhein-Westfalen
1983 Seoul, Nationalmuseum
1984 Köln, Kreishausgalerie
1988 Brüssel, Institut European
1989 Den Haag, Kunstkring
1991 Luxemburg, Galerie Becker
1991, Brünn, CSFR, Statthalterpalais
1992, Petersburg, Manege
1994 Minsk, Kunstpalast
1995 Riga, Baltische Festspiele
2001 Bonn, Kunst- und Ausstellungshalle der BRD
2003 Bonn, Kunstmuseum
Auszeichnungen
1987 Stipendium der Gemeinde Wangerland, Hooksiel
1989 Dr. Theobald-Simon-Kunstpreis Bonn
1999 August-Macke-Medaille der Stadt Bonn
Lyrik (Auswahl)
Hilla Jablonsky: Feuerschiffe. Gedichte, Tende Verlag 1988
Hilla Jablonsky: Wiedersehen am Strom. Gedichte, Tende Verlag 1990
Hilla Jablonsky: Wer weiß schon Liebe? Gedichte, Tende Verlag, 2003
Hilla Jablonsky: Der blaue Stuhl. Gedichte, Tende Verlag 2002
hbl / 27.05.2008
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