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Zu Werk und Vita

Carmelo Cicero

Vom 27. April 2006 bis 26. Mai 2006 zeigte der Kölner Maler Carmelo Cicero im Haus der Begegnung eine Werkschau unter dem Titel "7 Wahrheiten".

Carmelo Cicero: "Schein" (2005), Acryl auf Leinwand, 120 x 153 cm Carmelo Cicero: "Schein" (2005), Acryl auf Leinwand, 120 x 153 cm

Die Arbeiten befassen sich vorrangig mit zwei Themen: Einmal ist es die bildnerische Auseinandersetzung mit der wahrnehmungspsychologischen und letztlich philosophischen Frage nach Schein und Wirklichkeit bzw. Schein und Wahrheit. Zum anderen die malerische Erforschung von zwei Komponenten, die sich jeweils zu einer Einheit ergänzen. Letzteres zielt auf eine beziehungs- bzw. persönlichkeitspsychologisch motivierte Analyse von Paaren oder Freundschaften.

Eine Auswahl seiner Bilder können Sie hier sehen.

Wie kommt Carmelo Cicero zu seinen Themen?

Die Themen stehen nicht am Anfang. Die Malerei folgt nicht einem Konzept, sondern umgekehrt: Aus dem Malprozess heraus formiert und formuliert sich ein Thema. Aus der geradezu obsessiven Beschäftigung mit den bildnerischen Möglichkeiten, mit Farbe und Leinwand, drängen sich dem Künstler die Themen ganz von selber auf, um dann wieder gestaltend in den Malprozess zurück zu fließen. Diese Erfahrung hat Carmelo Cicero immer wieder gemacht: In den Bedingungen bildnerischen Schaffens selber liegen Gegebenheiten menschlicher Existenz metaphorisch beschlossen. Der Künstler braucht sie nur frei zu legen. Das hat Cicero bereits mit seinen Zyklen „Kommunikation“, „Chaos und Kosmos“, „Fülle und Leere“ sowie „Endlich-Unendlich“ vollzogen. Zuletzt beschäftigte ihn die Frage nach dem Unsichtbaren, malerisch umgesetzt als Spiel aus Verhüllung und Enthüllung. In Weiterentwicklung dieser Thematik richtet er aktuell seinen Fokus auf die Gegensätze von „Schein und Wirklichkeit“ bzw. „Schein und Wahrheit“. Auf einem Nebenschauplatz knüpft er mit dem Thema „Dialog“ an seine malerischen Anfänge an.

Dialog

Damals waren es konkrete Metaphern (Stühle, Kissen, Regenschirme), mit denen Carmelo Cicero die Grundlagen und Phänomene menschlicher Kommunikation auslotete. Inzwischen hat sich der Künstler weit entfernt von malerischer Konkretion und bearbeitet das Thema eher abstrakt in der direkten Konfrontation zweier gemalter Einheiten. Entstanden war das so: Cicero wollte sich nicht mehr auf eine Leinwand beschränken. Er wollte die Begrenzung sprengen. Nicht, indem er sich beliebig ausbreitete, sondern indem er sich in Beziehung setzte zu einem Gegenüber. Damit war das neue/alte Thema formuliert. Was passiert da eigentlich zwischen zwei Menschen (Leinwänden), die eine Beziehung miteinander eingehen („Komplexität der Begegnung“)? Wer bringt welche Eigenschaften mit? Wer beeinflusst wen und wie? Oftmals sind es starke Gegensätze und Spannungen, die in der Kombination malerisch ausbalanciert werden („Tag und Nacht“). Leidenschaft und Impulsivität (malerische Dynamik) gehen eine Verbindung ein mit Nüchternheit und Kontrolle (malerische Ruhe/Strukturiertheit). Im Ergebnis entsteht nicht einschläfernde Harmonie (malerische Gefälligkeit), sondern bewahrt bleibt eine lebendige Spannung. Und beide Teile profitieren: der eine gewinnt Halt und Gelassenheit, der andere Lebendigkeit und Esprit.

Schein und Wirklichkeit/Wahrheit

Ausgangspunkt für Cicero ist der Gegensatz von Schein und Wirklichkeit/Wahrheit, wie er in den Ursprüngen der Malerei selber angelegt ist: Das gemalte Bild war zunächst immer Abbildung von Wirklichkeit. Abbildung erweckt den Schein von Wirklichkeit. Dies gilt selbst bei stärkster Abstraktion der Motive, solange beim Betrachter konkrete Assoziationen (Vorstellungen von Wirklichkeit) oder Gefühle/Stimmungen (innere Wirklichkeit) geweckt werden. Hinzu tritt der Aspekt, dass das Bild selber in seiner konkreten Materialität Teil von Wirklichkeit ist.
Indem der Künstler nun Leinwände übereinander legt, die sich ganz oder teilweise überlappen, entstehen Schichten – Schichten von Wirklichkeit und abgebildeter Wirklichkeit. Die Komplexität nimmt zu, wenn Cicero die Leinwände zusätzlich verhüllt, vollständig oder in Teilen. Oftmals sind diese Auflagen selber Träger von Malerei, die den Eindruck der Transparenz erwecken („Schein“). So entstehen verschiedene, mitunter verwirrende Ebenen der Wahrnehmung. Und es stellen sich spannende Fragen: Verhüllt der aufgelegte Stoff die darunter liegende Malerei oder gibt er sie frei, indem er sie durchscheinen lässt? Was verbirgt sich hinter den einzelnen Schichten? Zu was für einem Ganzen ist das frei liegende Fragment zu ergänzen? Ist es pars pro toto? Oder führt es vorsätzlich auf eine falsche Fährte?
Mit solchen Fragestellungen ist die menschliche Wahrnehmung (etwas für wahr nehmen) selber thematisiert. Als individueller Akt genauso wie als interaktiver oder kultureller Vorgang. – Was geschieht, wenn verschiedene menschliche Wahrnehmungen  von der Wirklichkeit (malerische Schichten) aufeinander treffen? Wie wirken sie aufeinander? Wer verkauft wem und wie seine Behauptung von Wirklichkeit als Tatsache („Gedeckter Tisch“)? Wo hört Wirklichkeit auf? Wo fangen Täuschung und Illusion an? Gibt es überhaupt so etwas wie objektive Wahrheit? Oder gibt es immer nur mehrere Wahrheiten? – vielleicht sieben an der Zahl, wie der Künstler in einer Arbeit („7 Wahrheiten“) ironisch feststellt.

 

 

War im HdB zu Gast: Carmelo Cicero War im HdB zu Gast: Carmelo Cicero

CARMELO CICERO


1948 in Italien geboren,
arbeitet als freischaffender Künstler in Köln, Rheinland-Pfalz und Berlin


EINZELAUSSTELLUNGEN (Auswahl)



 2005 Brühl, Bundesfinanzakademie
 2004 Bonn, Auswärtiges Amt
Bonn, Adelheidiskirche
 2003 Bremerhaven, Wilke Atelier
 2002 Beverstedt (Bremen), Kulturhof Heyerhöfen
 2001 Fulda, Klinikum Fulda
Monheim, Kunstverein Schelmenturm
 2000 Bremerhaven,
Schniederhalle: Rauminstallation im Rahmen der Expo 2000
Bad Münster, Ev. Bibliothek
Bremerhaven, Gestaltung einer Fahne für die Expo 2000
 1999 Aachen, Galerie Ednubalk
Bonn, Sterntorhaus
Bremerhaven, Galerie Schiller-Haus
 1998 Ahrensburg, Rathaus
Bremerhaven, Wilke Atelier
Köln, Architekten Jürgensen und Wack
 1997 Köln, Kunstraum Jürgen Bahr
 1996 Köln, Haus Gonsior
 1995 Köln, Industrie- und Handelskammer
Bremerhaven, Wilke Atelier
 1994 Nürnberg, Universität Nürnberg-Erlangen
Hagen, Museum Burg Hagen
Bremerhaven, Wilke Atelier
Fulda, Städt. Klinikum (Unesco)
 1993 Civitella (Italien), Internationales Künstlerprojekt
 1992 Rheine, Kunstverein
 1991 Seckau, (Österr.) Benediktinerabtei
 1990 Hürth, Kulturamt Kreishaus
 1989 Ludwigshafen, Galerie am Wasserturm
 1988 Wittlich, Kulturamt, Kulturstätte Synagoge
Dormagen, Kulturamt Bettina-von-Arnim-Gymnasium
 1987 Bonn, Galerie Kunsthof
Köln, Farinahaus
Duisburg, Galerie Horten
Mülheim/Ruhr, Die Wolfsburg
 1986 Köln, Galerie Glockengasse
Mülheim/Ruhr, Ev. Akademie
 1985 Stuttgart, »Fresco« in der Staatsgalerie
Bergisch-Gladbach, Forum der Stadt
 1984 Aachen, Grenzlandtheater
Stuttgart, Renitenztheater
Köln, Galerie Provence
 1983 Landau, Villa Streccius
 1982 Erlangen, Galerie am Eichenwald
Saarlouis, Galerie Walzinger
Mainz, Künstlerhaus am Eisenturm
Ludwigshafen, Galerie am Wasserturm
Ebernburg, Künstlerbahnhof
 1981 Koblenz, Galerie Laik
München, Galerie Kunst im Lila Haus
 1980 Palermo, Galerie Il Cenacolo
Bamberg, »Die Galerie«
Köln, Kulturamt
Bonn, Galerie Lutzke
 1979

Berlin, Europäische Akademie
Bonn, Europäische Bildungs- und Aktionsgemeinschaft


GRUPPENAUSSTELLUNGEN

 2003 Beverstedt, Kulturhof Heyerhöfen
 2002 Aachen, Galerie Ednubalk
 2001 Bremerhaven, Wilke Atelier
 2000 Aachen, Galerie Ednubalk
 1997 Bremerhaven, Wilke Atelier
 1996 Kulmbach, Symposium
 1993 Köln, Kölner Künstler gegen Rassismus, Plakatwändeaktion
Bad Kreuznach, Schloßparkmuseum
 1992 Rheine, Kunstverein »10 Künstler aus 5 Kontinenten«
Prag, Kulturbühne Europa
 1991 Luxemburg, Kulturbühne Europa
 1990 Leipzig, Haus der Lehrer
Meißen, Städt. Theater
 1988 Ludwigshafen, Galerie am Wasserturm
 1987 Köln, Rathaus
 1986 Köln, Galerie Provence
 1984 Köln, Galerie Provence
Brügge, Galerie `Tleerhuys
Saarlouis, Galerie Walzinger
 1983 Straßburg, Europarat
Saarlouis, Galerie Walzinger
 1982 Brügge, Galerie `Tleerhuys
Recklinghausen, Galerie Brügelmannshof
 1981 Salzburg, (Österr.) Föderation der Europahäuser
Göttingen, Kunstmarkt
 1978 Ludwigshafen, Kunstpreis 78
La Spezia, Biennale

 

 

 

BILDER IN ÖFFENTLICHEM BESITZ u. INSTITUTIONEN

Deutscher Bundestag
Museum am Checkpoint Charlie Berlin
Kultusministerium Rheinland-Pfalz
Magistrat der Stadt Bremerhaven
Städt. Sammlung Künstlerbahnhof Ebernburg
Ev. Akademie Mühlheim/Ruhr
Ev. Gemeinde Bonn Beuel
Städt. Klinikum Fulda
Bundesverband Gas u. Wasserwirtschaft

PREISE, STIPENDIEN etc.

Monographie, herausgegeben vom Kulturamt der Stadt Köln
Preis der Biennale La Spezia
Stipendium Künstlerbahnhof Ebernburg
Arbeitsstipendium Wilke Atelier, Bremerhaven (1994, 1995, 1998, 2001, 2003)
Dozentur Sommerakademie Bremerhaven
Internationales Künstlerprojekt Civitella, Italien
Mérite Européen, Paris-Luxembourg

 

 

T.S. / Carmelo Cicero/ hbl / 22.03.2009



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