im Rheinland
8. November 2008: Vernissage der GEDOK Bonn
Ist wahr, was wir wahrnehmen?
Die Herbstausstellung im Haus der Begegnung wurde am Samstag, 8. November, mit einer gut besuchten öffentlichen Vernissage eröffnet.Die Arbeiten der 15 ausstellenden Künstlerinnen setzen sich mit der Frage auseinander:
Ist wahr, was wir wahrnehmen?
Die Arbeiten stehen im direkten Bezug zur gleichlautenden Tagung der Evangelischen Akademie im Rheinland, in deren Rahmen die Vernissage stattfindet.
Das Spektrum der Arbeiten reicht von an die Ikonografie anknüpfenden Darstellungen bis hin zur informellen Malerei. Gemeinsam ist allen Werken die Auseinandersetzung mit dem Spannungsfeld von Wahrnehmung und Wahrheit.
Julitta Frank, eine der ausstellenden Künstlerinnen, umschreibt es so:
Künstlerinnen arbeiten mit Bildern, die sich aus der Wahrnehmung erlebten Lebens formen. Das bildliche Denken ist oft näher an der Wahrheit als der Vernunft-Logos.
Es sprengt die Grenzen der Worte und ist auf der Seite der Weisheit. Wir Menschen heute machen uns wenig eigene Bilder. Gerade sie aber können helfen, dass wir von der Flut fremder Bilder beherrscht und manipuliert werden. Die Bildwerdung der inneren Wahrnehmung ist die eigentliche Aufgabe des Künstlers.
Akademiedirektor Dr. Frank Vogelsang und die Vorsitzende der GEDOK Bonn, Dr. Clotilde Lafont-König, eröffneten die Ausstellung.
Anstelle der erkrankten Dr. Anne-Kathrin Quaas gab Dr. Vogelsang anschließend eine Einführung in die Ausstellung.

Dr. Frank Vogelsang bei der Eröffnung der Ausstellung
Eingangs stellte Dr. Frank Vogelsang eine Verbindung zur Tagung her, in die die Vernissage eingebettet war:
Wir haben in den Diskussionen der Tagung bis zum heutigen Abend schon erarbeitet, dass die Wahrnehmung eine eigene Dimension ist. Sie lässt sich auch nur begrenzt vereinnahmen, sie hat ein Eigenleben. Wenn man sie verstehen will, entzieht sie sich schnell und erscheint als etwas sehr Kompliziertes. Das ist doch zunächst einmal erstaunlich, da es etwas ist, was wir doch den ganzen Tag tun! Wahrnehmung erscheint uns vertraut, wir vertrauen ja auch auf sie und doch, wenn wir mehr über sie nachdenken, dann zeigt sich, dass sie sich einfachen Vorstellungen entzieht, dass sie ein Geheimnis wahrt. Das gilt umso mehr, wenn es um religiöse Wahrnehmungen oder Wahrnehmungen von Kunst geht.
Dabei ging er auf die besondere Art der Wahrnehmung in Religion und Kunst ein:
Was ist es eigentlich, das die religiöse Wahrnehmung gegenüber anderen Wahrnehmungen auszeichnet? Und: Was ist es eigentlich, das die Wahrnehmung eines Kunstwerkes gegenüber der Wahrnehmung alltäglicher Gegenstände auszeichnet? Es ist wohl nicht zu bestreiten, dass den Wahrnehmungen im Bereich der Kunst und der Religion notwendigerweise etwas eigen muss, was die alltägliche Wahrnehmung kaum hat: das ist Zeit. Die alltägliche Wahrnehmung scheint mühelos gegeben zu sein. Anders ist es aber, wenn es um die Kunst geht. Anders ebenso, wenn es um die Religion geht. Wer Kunstwerke oberflächlich wahrnimmt und wer religiöse Wahrnehmung unter Zeitdruck erwartet, der muss enttäuscht werden. Die Kunstwerke ebenso wie das religiöse Erlebnis scheinen dann nicht auf, sie entziehen sich vielmehr.
Kunst kann der Kirche Impulse geben, weil sie die Bildesprache des Glaubens belebt:
Die christlichen Kirchen haben nämlich ein zentrales Problem, das aber eigentümlicher Weise selten thematisiert wird, jedenfalls viel weniger als die Sorgen um Strukturen. Ihnen gehen die starken Bilder aus, mit denen sie von Gott reden können. Der Himmel als Ort Gottes ist im Zeitalter der Satelliten passe, der bärtige Mann auf der Wolke ist höchstens als Karikatur brauchbar, ebenso das Auge im Dreieck. Hier kann die Beschäftigung mit der Kunst ein Therapeutikum sein.
Mit einer Einladung zum Rundgang durch die Ausstellung schloss der Akademiedirektor seine Einführung:
Was nehmen wir wahr, wenn wir durch die Ausstellung gehen? Zunächst können wir feststellen: Die Zugänge sind offenkundig, so zahlreich wie die beteiligten Künstlerlinnen. Die Werke bieten ein Spektrum zwischen sehr abstrakten und sehr konkreten Motiven. Einerseits zeigen sich menschliche Antlitze, andererseits abstrakte Landschaften. Doch hier ist Vorsicht geboten. Ist die Verteilung und Etikettierung wirklich so eindeutig? Ist ein menschliches Gesicht, nur weil es mit Augen, Ohren, Mund und Nase erscheint, wirklich konkret? Kann nicht gerade ein Gesicht zur Abstraktion erstarren und wie eine Gestaltung von Linien und Farbflächen wirken? Kann nicht andererseits ein abstraktes Bild ein Höchstmaß an Konkretion aufweisen? Ist nicht mit diesen farblichen Changierungen sehr präzise eine Stimmung wiedergegeben, die einen ereilt, der in einer Landschaft länger verweilt und sich ihr intensiv aussetzt? Ich habe beide Aspekte in Werken der Ausstellung gesehen.
Wir dürfen heute eine Ausstellung kennen lernen, in der viele unterschiedliche Akzente, Arbeitsweisen und Gestaltungsstile zusammen kommen. Das ist der besondere Reiz dieser Ausstellung. Sie lebt nicht von einer bestimmten Art Kunst zu machen. Sie lebt dagegen von der Vielzahl unterschiedlicher Zugänge. Ebenso unterschiedlich kann es deshalb auch sein, die Kunst wahrzunehmen.
Sie sind nun herzlich dazu eingeladen.
Die vollständigen Text der Einführung in die Ausstellung finden Sie am Schluss dieses Artikels zum Download.
Die Ausstellung ist bis zum 9. Januar 2009 im Haus der Begegnung zu sehen.
Öffnungszeiten:
Mo. - Do. 9.00 - 16.30 Uhr
Fr. 9.00 - 13.30 Uhr
Weitere Termine, auch am Wochenende, nach Absprache.
Der Eintritt ist frei.
Ist wahr, was wir wahrnehmen?
Ausstellende Künstlerinnen der GEDOK Bonn
- Gitta Briegleb
- Birgitta Büssow
- Maria Dierker
- Julitta Franke
- Annette Kipnowski
- Margit Gloger
- Rose Kretzschmar
- Barbara Kroke
- Heidi Kuhn
- Christine Ludwigs
- Nicole Meyer-Habault
- Edith Oellers-Teuber
- Therese Polus-Arzt
- Sighild Simon
- Marita Windemuth-Osterloh
Über die GEDOK:
Die GEDOK Bonn e.V., Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstförderer, ist eine wichtiger Kulturträger der Stadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises. Bundesweit vertritt die GEDOK Künstlerinnen aller Kunstsparten. Alle zwei Jahre verleiht sie den "Dr. Theobald-Simon-Preis" an eine Künstlerin der GEDOK Bonn.
Die GEDOK bietet ein Forum der Gegenwartskunst. Sie veranstaltet Ausstellungen, Führungen, Lesungen, Konzerte und Atelierbesuche.
Das Haus der Begegnung ist Sitz von Evangelischer Akademie im Rheinland und
Pädagogisch-Theologischem Institut der Evangelischen Kirche im Rheinland.
Darüber hinaus ist das Tagungshaus für interessierte Gruppen geöffnet.
Mehr Informationen: www.hdb-bonn.de
hbl 10.11.2008
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