Evangelische Akademie im Rheinland

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Freitag, 20.7.2007, 18.00 Uhr: Öffentliche Auftaktveranstaltung zur 2. ESSSAT-Tagung 

Die Evolutionstheorie und die Lehre von der Schöpfung - ein unüberbrückbarer Gegensatz?

Das Podium der Auftaktveranstaltung ist besetzt mit dem Biologen Prof. Dr. Klaus Peter Sauer, Bonn, und dem Theologen Prof. Dr. theol. Christian Link, Bochum. Die Diskussionsthesen sind im Folgenden abgedruckt.

Thesen für die Podiumsdiskussion:
  • Es gibt keine letzte Wahrheit, über die die Menschen verfügen. Es besteht ein Unterschied zwischen Wahrheit und „Richtigkeit“. Letztere bezeichnet eine vorläufige Übereinkunft, die Grundlage von gestaltendem Handeln ist (Technik).
  •  Die wissenschaftliche Argumentation sowohl der Naturwissenschaften als auch der Theologie ist ein offener, selbstkritischer Suchprozess. Das Ergebnis der Wissenschaft ist die Verständigung über die Grundlagen ihrer Aussagen und – im Fall der Naturwissenschaften – der Versuch, daraus erfahrungsbezogene Hypothesen abzuleiten. Die erkenntniskritischen und diskursiven Grundlagen der Wissenschaft sind unter anderem ein Ergebnis der Aufklärung und gegenüber jedem doktrinären Denken ein schützenswertes Gut.
  •  Jede Wissenschaft kann nur einen Teil der umfassenden Wirklichkeit unter einer spezifischen Perspektive erfassen. Das gilt für die Theologie ebenso wie für die Evolutionsbiologie. Es gibt keine Theorie, die es vermag, das große Ganze der Wirklichkeit widerspruchsfrei und vollständig zu beschreiben.
  •  Theologie und Evolutionsbiologie stehen in der Gefahr, sich nur dadurch wechselseitig zu beschreiben, dass sie ihr Pendant auf gefährliche Weise verkürzen. Daraus werden unzulässige Vorwürfe abgeleitet. Aus Sicht der Biologie wäre dann der Glaube nur ein Produkt biologischer Prozesse, aus Sicht der Theologie wäre die Biologie nur eine rein menschliches Bemühen und durch ihre Gottferne verwerflich.
  •  Beide, Evolutionsbiologie und Theologie, müssen aus den genannten Gründen der wissenschaftlichen Erkenntnisform Kreationismus und Intelligent Design ablehnen.
  • Der Kreationismus (Die Welt ist vor etwa 6000 Jahren von Gott geschaffen worden) verkündet eine doktrinäre Wahrheit, die jede Kritik ablehnt.
  • Die Theorie des Intelligent Design (Offene Fragen der Evolutionstheorie zeigen, dass sie bestimmte Phänomene nicht erklären kann.) verkennt, dass Wissenschaft ein offener Suchprozess ist und immer weitere Erfolge möglich sind.
  • Beide lehnen aber ebenso eine wissenschaftsgläubige Haltung ab, die die Ergebnisse der Wissenschaft mit letzten Wahrheiten verwechselt.
  •  Der Aussage „Der Mensch ist kein Zufall“ können sowohl Evolutionstheorie als auch Theologie zustimmen. Die Evolutionstheorie kann nachweisen, dass die Selektionsmechanismus der Welt, wie sie ist, nur bestimmte Pfade der Entwicklung zulassen. Die Theologie bezieht sich auf den Schöpfungswillen Gottes.
  •  Der Unterschied zwischen Mensch und Tier ist nur gradueller Natur. Dies gilt auch für die menschliche Erkenntnisfähigkeit, die Vernunft. Die Vernunft ist in dieser Perspektive ein Produkt der Evolution. Die Vernunft des Menschen kann dennoch nicht aus der natürlichen Umwelt abgeleitet werden. Ihre Genese ist mit ungelösten Fragen verbunden. Die grundlegende Schwierigkeit besteht in einer Selbstbezüglichkeit, nämlich darin, mit den Mitteln der Vernunft die Vernunft besser erkennen zu wollen.

10.04.2007


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