ESSSAT 09: Bernd Friedrich, London/Erlangen
Naturwissenschaftliche Erklärungen und telelogisches Denken:
Eine Analyse des Verhältnisses zwischen evolutionsbiologischen Deutungsmustern und dem aristotelischen Konzept des Naturprozesses
1. Zusammenfassung
Die moderne Biologie ist bestrebt, die Natur ausschließlich durch Wirkursachen zu deuten. Teleologische Erklärungen finden keine Akzeptanz und es wurde gar eingewendet, dass der Fortschritt der Naturwissenschaften gerade durch teleologische Interpretationen lange verhindert worden wäre.
Im Folgenden soll analysiert werden, welche Interpretationen biologischer Sachverhalte zumindest indirekt selbst auf teleologisches Gedankengut rekurrieren. Dies erfolgt in enger Auseinandersetzung mit der aristotelischen Konzeption des Naturprozesses. Bestimmte evolutionsbiologische Grundannahmen, wie diejenige der Mutation als Ausnahme bei der Erbgutweitergabe durch Kopie, gehen demnach unabdingbar mit der Rede über den Zufall einher und erfordern wenigstens die Annahme eines quasi-teleologischen Konzepts. Ferner enthalten evolutionsbiologische Thesen zumindest finale Konnotationen, sofern sie postulieren, dass durch Selektion von Organismen eine gerichtete Entwicklung stattfindet oder bestimmte Gene durchgehalten werden.
Am Beispiel der Fortschritte in der Molekularbiologie wird die Unzulänglichkeit der Wirkursache zur hinreichenden Erklärung der – zumindest metaphorisch doch immer wieder eingeräumten – Zielgerichtetheit von Naturprozessen verdeutlicht. Es scheint eine Alternativlosigkeit zu bestehen, welche bereits ARISTOTELES zur Annahme der causa finalis bewog. Schließlich wird auf die Vereinbarkeit der Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaften mit der aristotelischen Konzeption des Naturprozesses eingegangen: Die Spekulation des ARISTOTELES’ über die konkreten Abläufe in einzelnen Punkten wurde durch neuzeitliche Erkenntnisse zwar widerlegt; jedoch berührt dies sein begriffliches Konzept nicht. Auch im aufgeklärten wissenschaftlichen Weltbild finden sich Verflechtungen zwischen Wirkursache und Zielbestimmtheit; es ist der aristotelischen Teleologie demnach nicht antithetisch entgegengesetzt.
Die moderne Biologie ist bestrebt, die Natur ausschließlich durch Wirkursachen zu deuten. Teleologische Erklärungen finden keine Akzeptanz und es wurde gar eingewendet, dass der Fortschritt der Naturwissenschaften gerade durch teleologische Interpretationen lange verhindert worden wäre.
Im Folgenden soll analysiert werden, welche Interpretationen biologischer Sachverhalte zumindest indirekt selbst auf teleologisches Gedankengut rekurrieren. Dies erfolgt in enger Auseinandersetzung mit der aristotelischen Konzeption des Naturprozesses. Bestimmte evolutionsbiologische Grundannahmen, wie diejenige der Mutation als Ausnahme bei der Erbgutweitergabe durch Kopie, gehen demnach unabdingbar mit der Rede über den Zufall einher und erfordern wenigstens die Annahme eines quasi-teleologischen Konzepts. Ferner enthalten evolutionsbiologische Thesen zumindest finale Konnotationen, sofern sie postulieren, dass durch Selektion von Organismen eine gerichtete Entwicklung stattfindet oder bestimmte Gene durchgehalten werden.
Am Beispiel der Fortschritte in der Molekularbiologie wird die Unzulänglichkeit der Wirkursache zur hinreichenden Erklärung der – zumindest metaphorisch doch immer wieder eingeräumten – Zielgerichtetheit von Naturprozessen verdeutlicht. Es scheint eine Alternativlosigkeit zu bestehen, welche bereits ARISTOTELES zur Annahme der causa finalis bewog. Schließlich wird auf die Vereinbarkeit der Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaften mit der aristotelischen Konzeption des Naturprozesses eingegangen: Die Spekulation des ARISTOTELES’ über die konkreten Abläufe in einzelnen Punkten wurde durch neuzeitliche Erkenntnisse zwar widerlegt; jedoch berührt dies sein begriffliches Konzept nicht. Auch im aufgeklärten wissenschaftlichen Weltbild finden sich Verflechtungen zwischen Wirkursache und Zielbestimmtheit; es ist der aristotelischen Teleologie demnach nicht antithetisch entgegengesetzt.
Das ausführliche Thesenpapier ist hier zum Download eingestellt.
Bernd Friedrich 22.06.2009
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