
2005: 100 Jahre Relativitätstheorie
Themenschwerpunkt
Naturwissenschaften
Die Naturwissenschaften sind in den letzten Jahrhunderten unglaublich erfolgreich, aber ihre Sicht bietet nicht das ganze Bild der Wirklichkeit. Hier ist eine auf biblische Traditionen sich berufende Theologie zu einem eigenen Beitrag herausgefordert.Die Naturwissenschaften und die ihnen folgende wissenschaftlich geleitete Entwicklung der Technik sind eine unübersehbare Voraussetzung für unsere heutige Kultur.
Nichts hat sich für unsere Kultur, die sich aus dem christlichen Abendland herleitet, so wirkmächtig und folgenreich gezeigt, wie die seit dem 17. Jahrhundert sich kontinuierlich entwickelnden Naturwissenschaften. Der Umgang und die Orientierung in der Welt sind in hohem Maße technisiert, das gilt sowohl für die Arbeitsprozesse als auch für die Alltagswelt. Die Techniken durchdringen unser Kommunikationsverhalten ebenso wie auch grundsätzliche Existenzfragen an Lebenswendepunkten wie Geburt, Krankheit, Alter und Tod.
Die Veränderungen unserer Welt durch die zunehmende Erkenntnisfähigkeit und die Gestaltungsmöglichkeiten beeinflussen zutiefst unser Handeln und unser Selbstverständnis.
Die durch Naturwissenschaft und Technik erweiterten Handlungsoptionen stellen uns immer wieder vor neue moralische Probleme. Nach welchen Regeln soll man mit dem neuen Wissen umgehen, mit welchen Maßstäben können in der modernen Gesellschaft moralische Urteile gefällt werden? Beispiele für ethischen Reflexionsbedarf gibt es zuhauf, etwa im Umgang mit der Kernenergie, mit den Biotechnologien, mit dem Energieverbrauch und der Umweltbelastung, mit der Intensivmedizin und mit den elektronischen Medien. Ethischen Reflexionsbedarf gibt es schließlich auch für die Wissenschaften selbst: es gehört heute zum abgesicherten wissenschaftstheoretischen Standard, die Abhängigkeit der wissenschaftlichen Forschung von gesellschaftlichen Strömungen und kulturellen Vorgaben anzuerkennen. Damit stellt sich die Frage der Forschungsethik.
Mit den neuen wissenschaftlich basierten Erkenntnissen ändert sich unser Selbstbild, unser Bild von der Welt, von der Wirklichkeit und schließlich auch für unser Bild von Gott. Unsere „Weltanschauung“ ist nicht unabhängig von den naturwissenschaftlich-technisch gestützten Erfahrungen. Das gilt nicht nur für Daten und Fakten, das gilt auch für unsere Leitbilder: Ohne die Erfahrung der Astronauten und die Bilder, die sie machten, hätte das Bild vom „blauen Planeten Erde“ nie so stark und prägend werden können. Weitere Beispiele des Einflusses sind das durch Neurobiologie und Gentechnik geprägte Menschenbild, die Geschlossenheit physikalischer Kosmologietheorien, der Einfluss elektronischer Medien auf unser Zeit- und Weltverständnis.
Der Dialog zwischen Naturwissenschaften und Theologie wird in den angelsächsischen Ländern seit vielen Jahren geführt und ist dort bereits institutionalisiert. Zunehmend gewinnt er jetzt auch bei uns an Gewicht und Popularität. Es ist deutlich geworden, dass dieser Dialog eine notwendige Grundlage für das Selbstverständnis christlicher Theologie im 21. Jahrhundert ist.
Die Evangelische Akademie im Rheinland setzt in diesem Bereich einen Schwerpunkt ihrer Arbeit.
Wie kann man Lösungen finden für die ethischen Probleme, vor die uns die neuen, durch den naturwissenschaftlich-technischen Fortschritt ermöglichten Handlungsoptionen stellen?
Welchen Einfluss haben die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse auf unser Selbstverständnis, auf unseren christlichen Glauben, auf die Fragen nach dem Menschlichen in der Welt?
II. THEMEN
Die Akademie geht diesen Fragen in Tagungen, Gesprächskreisen und Veröffentlichungen nach und setzt dabei thematische Schwerpunkte:
- Bioethik
Im Mai 2007 wurde an der Evangelischen Akademie im Rheinland ein Forum Bioethik gegründet. Einmal pro Jahr lädt die Akademie zu einer Veranstaltung im Rahmen des Forums ein.
Darüber hinaus setzt sie sich auch in ihrer weiteren Tagungsarbeit mit Fragen der Bioethik auseinander:
Eine Tagung fragte nach der biologisch-technischen Manipulierbarkeit körperlicher Alterungsprozesse und ihren ethischen Grenzen („Jungbrunnen der Biomedizin“ ). Unter dem Titel "Weil wir dürfen, was wir können ....? Bioethische Positionen in der Diskussion" nahm eine weitere Tagung Bezug auf die bioethische Stellungnahme der rheinischen Landessynode von 2005. - Neuroethik
Im Januar 2007 hat sich das Forum Neuroethik in Bonn gegründet, eine Kooperation der Evangelischen Akademie im Rheinland mit der Klinik für Epileptologie der Universität Bonn.
Jährlich bieten die beiden Kooperationspartner eine Tagung zu einem Thema der Neuroethik an. - Dialog Theologie und Naturwissenschaften
An der Evangelischen Akademie im Rheinland finden seit 2005 im zweijährigen Rhythmus Tagungen zusammen mit der European Society for the Study And Theology (ESSSAT) statt, kurz als "ESSSAT-Tagungen" bezeichnet.
Vom 20. bis 22. Juni 2005 stellten Nachwuchswissenschaftlerinnen und –wissenschaftler, die in dem Themenbereich „Das Verhältnis von Theologie und Naturwissenschaften“ arbeiten, ihre Forschungsprojekte vor. Kooperationspartner der Tagung "Theologie und Naturwissenschaften: Neue Ansätze der Forschung und des Dialogs" waren neben der European Society for the Study of Science And Theology (ESSSAT) das Evangelische Studienwerk Villigst, die Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) e.V., das Zentrum für interdisziplinäre Technikforschung (ZIT) der Technischen Universität Darmstadt und Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt e.V.
Die Folgetagung fand im April 2007 statt. Wiederum wirkten mehr als 20 Referentinnen und Referenten, darunter viele Nachwuchswissenschaflterinnen und Nachwuchswissenschaftler, an der Tagung mit. Sie hatte dieses Mal "Herausforderungen und Grenzen wissenschaftlicher Modelle in Naturwissenschaften und Theologie" zum Thema. Kooperationspartner waren neben ESSSAT wiederum das Evangelische Studienwerk Villigst und die FEST. Die Tagung war ein Beitrag zum Jahr der Geisteswissenschaft 2007.
1859 erschien Darwins Schrift „On the origin of species“. Sie markiert einen entscheidenden Fortschritt in den Naturwissenschaften. Die ESSSAT- Tagung 2009 "Über Darwin hinaus?! Beyond Darwin?! - Die unabgeschlossene Geschichte des naturwissenschaftlichen Fortschritts - The neverending Story of Scientific Progress" würdigte den 150. Jahrestag ihres Erscheinens. Doch die Wissenschaften sind kein statistisches System. Dem trug die Tagung Rechnung, in dem sie sich vor allem mit der aktuellen Diskussion auseinandersetzte: Auch die Evolutionstheorie hat sich seit Darwin weiter entwickelt. Hier gibt es viele spannende Diskussionen, die über einseitige Zuspitzungen hinausgehen, wie sie von den Vertretern des Kreationismus oder Intelligent Design einerseits und des Atheismus wie z.B. Richard Dawkins andererseits repräsentiert werden.Die Tagung gab Einblicke in neue Diskussionsfelder. Dabei lag das Schwergewicht auf Beiträgen zum Dialog zwischen Theologie und Biologie. Aber auch andere Wissenschaften wie etwa die Physik sind einbezogen. Vertreterinnen und Vertreter aus Natur- und Geisteswissenschaften, aus Biologie, Physik, Philosophie und Theologie, haben in den Workshops Ergebnisse ihrer Überlegungen zu dem interdisziplinären Bereich vorgetragen.
Die Beiträge der Wissenschaftler finden Sie unter der Rubrik "ESSSAT-Tagung 2005", "ESSSAT-Tagung 2007" und "ESSSAT-Tagung 2009".
Zu den ESSSAT-Tagungen 2005 und 2007 sind Tagungsbände erschienen:
Theologie und Naturwissenschaften
Eine interdisziplinäre Werkstatt
Hrsgg.: Frank Vogelsang, Hubert Meisinger, Andreas Losch, Thorsten Moos, Jan C. Schmidt, Ion-Olimpiu Stamatescu
(Begegnungen 18/2005)
Bonn 2006
ISBN 3-937621-15-6, € 12,00
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Herausforderungen und Grenzen wissenschaftlicher Modelle in Naturwissenschaften und Theologie
Zweite interdisziplinäre Werkstatt
Hgg.: Frank Vogelsang, Hubert Meisinger
(= Begegnungen 16/2007)
Dokumentation der Tagung 16/2007
Bonn 2008
ISBN 978-3-937621-22-7, 12,00 Euro
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Zur ESSSAT-Tagung 2009 ist eine Tagungsdokumentation in Vorbereitung. Voraussichtlicher Erscheinungstermin: 4. Quartal 2009. - Perspektiven der Wahrnehmung in Naturwissenschaft, Alltagserfahrung und theologischer Weisheit
Zu diesem Themenkreis veranstaltet die Evangelische Akademie im Rheinland regelmäßig Tagungen.
Eine Tagungsreihe in diesem Bereich thematisiert die Rolle und die Praxisrelevanz der Theologie für das Leben im 21. Jahrhundert. Tagungen innerhalb dieser Reihe werden jährlich in Kooperation mit der Kirchlichen Hochschule Wuppertal durchgeführt:
16. - 18. Mai 2003: "Die Furcht des Herrn ist aller Weisheit Anfang".
14. - 16. Mai 2004: "Unser Bild von der Welt und der Glaube an Gott. Perspektiven der Wahrnehmung in Naturwissenschaft, Alltagserfahrung und theologischer Weisheit".
29. - 30. April 2005: "Wie kommt Gott in die Sprache? Theologische und philosophische Ansätze"
13. - 15. Oktober 2006: "An der Grenze unseres Lebens. Erfahrungen in der Nähe des Todes und ihre theologische Deutung."
09. - 11. November 2007: "Quellen des Sinns - Wie kommt der Sinn in die Welt"
07. - 09. November 2008: " Ist wahr, was wir wahrnehmen? Zum Verhältnis von Ästhetik und Theologie"
02. - 04. Oktober 2009: "Der Liebe auf die Spur kommen. Ein Phänomen im sozialen, religiösen und kulturellen Kontext."
Die Tagungen dieser Reihe werden jeweils dokumentiert.
Ansprechpartner für den Themenbereich "Wissenschaft":
Akademiedirektor Dr. Frank Vogelsang
Mail an Dr. Frank Vogelsang
Frank Vogelsang/hbl 26.07.2010
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