Evangelische Akademie im Rheinland

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Zu Gast in der Akademie: der Nahost-Kenner Johannes Zang. Foto: Anna Rudat
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Zu Gast in der Akademie: der Nahost-Kenner Johannes Zang. Foto: Anna Rudat

Rückblick: Abend mit dem Nahostkenner Johannes Zang  

Erlebtes aus Israel und Palästina

Neun Jahre verbrachte der Journalist und Autor des gleichnamigen Buches "Unter der Oberfläche" in Israel und Palästina. Am 1. Februar war er auf Einladung des Montag-Clubs und der Akademie im Haus der Begegnung zu Gast.

Mehr als 100 Zuhörerinnen und Zuhörer waren trotz der winterlichen Straßenverhältnisse der Einladung gefolgt. In seinem Vortrag sprach Johannes Zang über persönliche Erfahrungen und Erlebnisse und gewährte dabei einen Blick unter die Oberfläche dessen, was aus Israel und den palästinensischen Gebieten gemeinhin berichtet wird.

Von den Mühen des Alltags in den palästinensischen Gebieten

Nüchtern und prägnant gab er einen historischen Überblick über die Entwicklung, um dann auf die vielen Facetten des Nahost-Konflikts einzugehen und über alltägliche Erfahrungen zu sprechen, die die Tagespresse kaum erwähnt. Dabei bezog Zang eindeutig Stellung. Sein Bericht wollte vor Augen führen, wie die israelische Politik Tag für Tag in den Alltag in den besetzten palästinensischen Gebieten, in Gaza und das Westjordanland, eingreift und wie weit reichend diese Eingriffe sind. Sie weisen „Verästelungen“ auf, so Zang, die weit ins alltägliche Leben hineinreichen, sogar bis ins „palästinensische Schlafzimmer hinein“. So warten 100.000 palästinensisch-ausländische Paare seit 5, 10 oder sogar 20 Jahren auf die Zustimmung Israels, zu heiraten und im palästinensischen Bethlehem oder Jericho  „legal“ leben zu können. Das Bevölkerungsregister wird von israelischer Seite kontrolliert , somit bestimmt auch Israel über das Recht auf Familienzusammenführung.

"Das Land stagniert"

Dies sei aber nur ein Beispiel dafür, so Zang, dass Willkür und Menschenrechtsverletzungen für die Bevölkerung in den israelisch-kontrollierten Gebieten zur Tagesordnung gehören würden. Das Land stagniere und, um es mit den Worten einer israelischen Friedensaktivistin wiederzugeben, „die Moral bleibt wie immer auf der Strecke“: 592 Straßensperren im Westjordanland, 84 Hindernisse in israelisch-kontrollierten Gebieten, „sterile Straßen“ mit Begehverboten für palästinensische Einwohner, Häuserzerstörungen, sieben Monate Exportverbot und Checkpoints, die das Reisen erschweren, wenn nicht gar unmöglich machen. So habe er neun Stunden Autofahrt gebraucht, um 105 km in einer israelisch-kontrollierten Zone zurückzulegen, um dann, immerhin, am gewünschten Zielort anzukommen.

"Ich liebe dieses Land und möchte wissen, obes eine Chance für den Frieden gibt"

Die große Resonanz des Abends zeigte vor allem eines:: Das Thema Nahost bewegt und beschäftigt die Menschen weiterhin. Die geschilderten Details bewegten die Zuhörer, was sich in Äußerungen wie diesen spiegelte:  "Ich bin bestürzt und traurig", "Ich liebe dieses Land, und möchte wissen, ob es eine Chance für den Frieden gibt". Andere Wortmeldungen zeigten, dass der Abend eine neue Sicht auf die Dinge erlaubte: "Wir sind darüber froh, dass auch die palästinensische Seite gezeigt wurde. Es gibt in dieser Hinsicht einiges nachzuholen, nicht nur auf gesellschafts-politischer, sondern auch auf theologischer Ebene." Letztendlich stand die Frage nach konkretem Handlungsbedarf im Raum: "Wie kann Europa zu dieser Problematik Stellung nehmen? Genügt allein finanzielle Unterstützung?" "Was machen wir, wenn wir nicht schweigen wollen?" 


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Die Zuhörer nutzten die Gelegenheit für weitere Fragen. Foto: Anna Rudat

Zeichen der Hoffnung: 120 israelisch-palästinensische Initiativen, die sich gemeinsam engagieren

Johannes Zang konnte zu derartigen Fragen des Publikums keine Prognosen abgeben, setzte aber ein Zeichen der Hoffnung. In einem Kapitel seines Buches erzählt er von einer palästinensisch-israelischen Zeitschrift, einer Kooperation, deren gesamte Organisation auf dem Prinzip der Gleichberechtigung aufbaut: Auf einen israelischen Mitarbeiter kommt ein palästinensischer und Redaktionssprache ist Englisch.“Wir sind wie Noahs Arche, von jedem gibt es zwei“, zitiert er einen der Organisatoren. Auch wenn es noch viele Schwierigkeiten und Schikanen seitens staatlicher Behörden gäbe, so sei dieses Projekt ein erstes zartes Zeichen der Hoffnung. Diese Initiative und 120 weitere ähnliche Organisationen und Initiativen in Israel und Palästina sind der Beweis dafür, dass Palästinenser und Israelis in der Lage sind miteinander zu reden, zu arbeiten, Entscheidungen zu fällen, und vor allem eins: sich zu vertrauen.

Nahost-Konflikt bleibt Thema in der Akademie

Für die Evangelische Akademie im Rheinland bleibt der Nahost-Konflikt weiterhin ein wichtiges Thema. In seinem Ausblick kündigte StudienleiterJörgen Klußmann, der den Abend moderiert hatte, an, dass sich im zweiten Halbjahr 2010 eine weitere Tagung dem Frieden in Palästina widmen wird.

Mehr Informationen zu Johannes Zang erhalten Sie auf dessen Homepage.

 


Anna Rudat 15.02.2010


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