Evangelische Akademie im Rheinland

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Die Referenten der Tagung: Machado, Baumann, Magonet, Lee-Linke, Öztürk, Kazumi Steffens, Takeuchi
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Die Referenten der Tagung: Machado, Baumann, Magonet, Lee-Linke, Öztürk, Kazumi Steffens, Takeuchi

Internationale Fachkonferenz der Religionen an der Akademie  

Welchen Beitrag können die Religionen zum Frieden leisten?

Rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind am 24.10.2007 der Einladung zur ersten internationalen Fachkonferenz zum Thema Frieden und Bewahrung der Schöpfung an der Evangelischen Akademie im Rheinland gefolgt.

Im Mittelpunkt stand die Frage, welchen konkreten Beitrag die Religionen jeweils leisten können, um den Frieden in der heutigen Welt voranzubringen.

Bei ihrer Einladung zu der Tagung, die in dieser Form erstmalig an einer deutschen evangelischen Akademie stattfand, hatte Studienleiterin Professor Dr. Sung-Hee Lee-Linke nachdrücklich einen Paradigmenwechsel gefordert. Bisher hätten bei interreligiösen Treffen insbesondere die Begegnung selbst und das gegenseitige Kennenlernen im Vordergrund gestanden. Zukünftig müsse jedoch das gemeinsame Handeln in den Blick genommen werden :
„Wir benötigen einen interreligiösen Dialog des Handelns, um über das Verständnis für einander hinaus gemeinsam eine Veränderung der Gesellschaft zu bewirken. Die Förderung von Frieden und die Bewahrung der Schöpfung müssen im konkreten Projekten deutlich werden, sie müssen sichtbare Glaubenszeugnisse der Religionen werden“, betonte die Theologin. Gemeinsam mit Shokei Kazumi Steffens, Priesterin am Myokenkaku-ji Tempel in Osaka/Japan und am Daiseion-ji Tempel in Wipperfürth, hatte sie diese Tagung konzipiert.  


Abt Takeuchi vom Myokenkaku-ji Tempel in Osaka/Japan

Das Podium der Tagung war mit internationalen Vertretern von Judentum, Buddhismus, Christentum und Islam besetzt. Für das Judentum war der frühere Direktor des Leo-Baeck-Instituts in London, Rabbiner Professor em. Dr. mult. Jonathan Magonet, anwesend. Der Präsident des Myokenkaku-ji Tempels in Osaka/Japan, Abt Nisso Takeuchi, vertrat die Position des Buddhismus. Die beiden christlichen Repräsentanten auf dem Podium waren Monsignore Dr. Felix Anthony Machado, Untersekretär des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog beim Vatikan, für die katholische und Dr. Ulrike Baumann, Leiterin des Pädagogisch-Theologischen Instituts der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), für die protestantische Seite. Die islamische Sicht brachte Rafet Öztürk, Beauftragter für Dailog und Zusammenarbeit bei der Türkisch-islamischen Union in Köln, ein.

Am Vormittag umrissen die Podiumsteilnehmer die grundsätzlichen Haltung ihrer jeweiligen Religion zum Frieden.

Rabbiner Professor em. Dr. mult. Jonathan Magonet betonte den großen Stellenwert, den der Friede in der jüdischen Religion einnehme. Neben Wahrheit und Gerechtigkeit sei er nach jüdischer Auffassung eine der drei Säulen für den Fortbestand der Gesellschaft. Darüber hinaus sei Friede als zukünftige, messianische Hoffnung immer gegenwärtig.
 
Nach Auffassung von Takeuchi muss sich der Einzelne konkret um Frieden bemühen. Friede habe ebenso wie Krieg seine Wurzeln im Inneren des Menschen, so Takeuchi. Deshalb sei Frieden nur dann zu erreichen, wenn sich der Einzelne dieses Ziel zur Herzensangelegenheit mache.

Monsignore Machado, ging in seinen Ausführungen von der von Gott verliehenen Würde des Menschen aus. Aufgrund der Menschenwürde sei die Verbesserung der Lebensbedingungen auf der Erde eine ethische Forderung der Bibel.
 
Die Theologin Baumann unterstrich, das aus evangelischer Sicht der Weg des Friedens und der Versöhnung immer neu mit der Besinnung auf biblische Grundlagen beginnen müsse. Dabei bezog sich Baumann insbesondere auf die Bergpredigt. Mit ihren Beispielen liefere die Bergpredigt Beispiele für eine paradoxe Intervention,  die mittels dieser unerwarteten Reaktion das Gegenüber überraschen und zum Guten verändern kann.

Nach den Glaubenssätzen des Islam seien, so Rafet Öztürk, alle Gläubigen aufgerufen zum einem friedlichen Zusammenleben und zum aktiven Bemühen um Frieden.

 


Monsignore Dr. Felix Anthony Machado, Untersekretär des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog

Am Nachmittag standen konkrete Projekte und Erfahrungen im Mittelpunkt. Magonet rief die Reaktion der jüdischen Gemeinden nach dem 9. September 2001 in Erinnerung. Damals hätten die Juden einhellig die Meinung vertreten, dass ihre islamischen Mitbrüder vor diffamierenden Angriffen geschützt werden müssten. Die Juden hätten sich, so Magonet, im Laufe ihrer Geschichte immer wieder als Ausnahme erfahren. Gerade deswegen könnten sie die Erfahrung vermitteln, dass Frieden nicht dann entstehe, wenn alle Dinge gleich sind, sondern wenn man ein Miteinander unterschiedlicher Interessen zulasse. Abt Takeuchi plädierte für einen integrativen Ansatz von Wissenschaft und Religion und für eine Zusammenarbeit der Religionen.
Konkrete Projekte aus Köln stellte Öztürk vor. Dort haben katholische, evangelische Gemeinden, die Synagogengemeinde sowie DITIB mit konkreten Projekten für ein friedliches Miteinander der Religionen geworben,  u.a. gab es ein interreligiöses Spielplatzprojekt in Köln-Ehrenfeld.       
Machando hielt die Verantwortung der Weltgemeinschaft fest, der alle Religionen verpflichtet seien: „Gläubige aller Religionen müssen ihre Stimme gegen Gewalt, Terrorismus und Krieg vereinen“.  Dies konkretisierte er anhand eines Papiers, das der Vatikan anlässlich des 3. Welt-Wasser-Forums herausgegeben hat.
Baumann unterstrich die Bedeutung der Erziehung für den Frieden. Auch wenn die Erziehung nicht allein die Aufgabe einer Friedenssicherung übernehmen könne, so könne sich aber doch zu Gewaltreduzierung und Friedensfähigkeit beitragen.  Sie verwies auf die Schulen und den internationalen Jugendaustausch als Chancen für interkulturelles Lernen.

Aus dem Plenum kamen insbesondere Fragen zum Aspekt Mission der Religionen untereinander und der Zulässigkeit von Gewalt in Konflikten.

Die beiden christlichen Vertreter waren sich darin einig, dass sowohl Missionals auch interreligiöser Dialog ihre Berechtigung haben. Als Christ wolle man Zeugnis geben von der christlichen Hoffnung, so Machado. Dabei müsse man aber den Respekt vor dem Gegenüber und vor der anderen Religion bewahren. Insoweit sei Mission dialogorientiert. Öztürk führte aus, dass der Islam den Begriff der Mission nicht kenne, lediglich nur das „Gespräch auf die beste Art“. Der Islam suche das Gespräch, um ein friedliches Zusammenleben der Religionen umzusetzen.

Einig war sich das Podium darin, dass Konflikte, die auf Machtkonflikten beruhen, von den Religionsgemeinschaften nicht als religiöse Konflikte legitimiert werden dürfen.

Die Evangelische Akademie im Rheinland plant eine Fortsetzung dieses Gedankenaustausches.

 


hbl 26.10.2007


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