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Flagge zeigen: Fahnen der Delegationen aus dem Raum SaarLorLux
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Flagge zeigen: Fahnen der Delegationen aus dem Raum SaarLorLux

Samstag, 22. September 2007 

"Flagge zeigen" - Euroregionale Begegnung evangelischer Christen in Luxemburg

Mit strahlendem Sonnenschein begrüßte Luxemburg seine Gäste aus der Grenzregion von Luxemburg, Frankreich und Deutschland, die sich am Samstag in der Evangelischen Dreifaltigkeitskirche zu einer euregionalen Begegnung evangelischer Christen trafen.

Nach langen Vorbereitungen  war es nun soweit: Die Kirchengemeinden aus Lothringen, aus dem Saarland und Luxemburg konnten endlich "Gemeinsam Grenzen überschreiten - Flagge zeigen", so der Titel der Veranstaltung. 

Im Vorfeld hatten sich die Kirchengemeinden über ihre Gedanken und Visionen eines zukünftigen Europas ausgetauscht, diese Gedanken jeweils zu einem Motto verdichtet und auf ihre Fahne - im wahrsten Sinne des Wortes - geschrieben. Mit dem Einzug dieser Fahnen in den Eröffnungsgottesdienst begann der Begegnungstag.

Eine „Einladende Kirche“ wünscht sich das Dekanat Homburg, mit „ouverture, diversité, unité – Öffnung, Vielfalt, Einheit“ umreißt die lothringische Gemeinde Metz das protestantische Europa der Zukunft, „Lieweg, fräi, dobäi – Lebendig, frei dabei“ war auf der Luxemburger Fahne zu lesen. Insgesamt beteiligten sich Delegationen aus 17 Kirchengemeinden und Kirchenkreisen aus der Region SaarLorLux  an dieser Aktion.

Unter den Gästen waren die Präsidenten der protestantisch-reformierten Kirchen Frankreichs – Marc Labarthe (Eglise Reformée de France, Région Est) und  Geoffroy Goetz (Eglise Protestante Réformée d’Alsace et de Lorraine) -, der Erzbischof von Luxemburg, Monseigneur Fernand Franck, der leitende Jurist der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), Vizepräsident Christian Drägert, die Superintendenten von Trier, Christoph Pistorius, von Saarbrücken. Christian Weyer, und von Völklingen, Hartmut Richter. Auch eine Vertretung der deutschen Botschaft von Luxemburg und der Stadt Luxemburg nahmen an den Festlichkeiten teil.

 


Hielt die Eröffnungspredigt: Oberkirchenrat Wilfried Neusel

Im Hinblick auf die zukünftige Zusammenarbeit evangelischer Christen in Europa forderte der Straßburger Theologieprofessor Dr. André Birmele in seinem Festvortrag eine größere Verbindlichkeit in den Entscheidungen und Strukturen europäischer und euregionaler Zusammenarbeit protestantischer Kirchen. Zwar begriffen sich die europäischen protestantischen Kirchen seit der Leuenberger Konkordie 1973 als eine Kirchengemeinschaft, die in der Lage ist, Wort und Sakrament zu teilen. Doch in der konkreten Praxis seien noch manche Verbesserungen in der Begegnung und im Austausch nötig. "Unsere Einheit macht nur dann Sinn, wenn die Kirchen auf lokaler und regionaler Ebene ganz konkrete Schritte unternehmen", so Birmele. Es gehe darum, dass sich die protestantischen Kirchen in ihrem Alltag gegenseitig verpflichtet wissen: "Synoden und Dekanatsversammlungen müssen ganz konkrete Entscheidungen treffen, die für alle verbindlich sind und so die Einheit auf kürzere und längere Sicht gestalten." Dabei sei entscheidend, die kulturellen Besonderheiten und die jeweils eigene Identität zu wahren. "Einheit bedeutet nicht Vereinheitlichung", so Birmele. "Die Einheit umfasst legitime Unterschiede."

Der Leiter der Ökumene-Abteilung der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), Wilfried Neusel, hatte zuvor allerdings in seiner Predigt davor gewarnt, kulturellen Besonderheiten zu großen Raum zu geben. Es sei die größte Versuchung der protestantischen Kirchen, die notwendige und bereichernde Vielfalt als Alibi für ein Beharren in der eigenen Tradition zu nutzen. Neusel erinnerte an den gemeinsamen historischen Beitrag der Protestanten zur politischen Gestaltung eines demokratischen und rechtsstaatlichen Europas und daraus resultierende aktuelle Verpflichtung der protestantischen Kirchen, für ein "Bürgertum nach dem Maß des Menschlichen einzutreten".

Auch die Politik erwarte von den Kirchen mehr Impulse für die europäische Integration und für die euroregionale Zusammenarbeit unterstrich Charles Stirnweiss, Regionalrat und Bürgermeister aus dem lothringischen Forbach in seiner Ansprache an die Festgemeinde.


Der Nachmittag war von Austausch und Begegnung bestimmt.

Nach Gottesdienst und Vorträgen war der Nachmittag von persönlicher Begegnung und Gedankenaustausch bestimmt. Dabei entwickelten Anwesenden konkrete Perspektiven. So wurde der Wunsch nach einer stärkeren institutionellen Zusammenarbeit, z.B. im Rahmen einer europäischen Synode, genannt. Die Anwesenden erachteten darüber hinaus die Überwindung bestehenden Schwierigkeiten in der sprachlichen Verständigung, eine stärkere Vernetzung und öffentliche Wirksamkeit der protestantischen Kirchen in der Euregio für notwendig, damit das protestantische Wort auf gesellschaftlicher Ebene mehr Gehör findet.

Einig waren sich die rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer darin, dass diese Begegnung wichtige Impulse für zukünftige Schritte gegeben hat. "Bei diesem Treffen ist deutlich geworden", so Studienleiter Jörgen Klußmann von der Evangelischen Akademie im Rheinland, "das es nur Auftakt gewesen ist für viele weitere Treffen, um die bereits bestehende Zusammenarbeit auf regionaler und überregionaler Ebene zu stärken."

Evangelische Akademie im Rheinland, Evangelische Akademie im Saarland und die Alliance des Eglises Protestantes au Grand Duché du Luxemburg waren Veranstalter der euregionalen Begegnung, die im Rahmen der Festlichkeiten zur Europäischen Kulturhauptstadt 2007 Luxemburg und Großregion stattfand. Er sei erstaunt gewesen, so Christian Weyer, Superintendent des Kirchenkreises Saarbrücken, wie Nichttheologen bei dieser Vorbereitung dieses Treffens das Thema für sich entdeckt und in die Hand genommen hätten.

Der Text der Predigt von Oberkirchenrat Wilfried Neusel und des Vortrages von Professor Dr. André Birmelé finden sich als Download am Schluss dieses Artikels.


hbl 24.09.2007


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