7. Europäische Sommeruniversität der Frauen an der Evangelischen Akademie im Rheinland
Heil und Heilwerden
"Heil und Heilwerden. Kreativer Umgang mit der Heilung in der Lebenswelt heute" - das war das Thema der 7. Europäischen Sommeruniversität der Frauen im August 2005. Das Programm des abschließenden öffentlichen Heilungsgottesdienstes finden Sie hier.„Alles ist offen. Alles ist möglich. Denen, die glauben. Und das heißt: Die sich offen halten für das, was geschehen wird. Die sich dem Nicht-Voraussehbaren, dem Unverfügbaren öffnen“, so Pfarrer Dr. Rainer Stuhlmann, Köln, zu Beginn seiner Predigt im öffentlichen Heilungsgottesdienst, zu dem Professor Dr. Sung-Hee Lee-Linke im Namen der Evangelischen Akademie im Rheinland am Samstag, 6. August 2005, alle Interessierten in den Garten des Hauses der Begegnung eingeladen hatte.
Weit mehr als 200 Menschen folgten der Einladung. Dabei ging es in diesem Gottesdienst weniger um körperliche Krankenheilung als um einen 'heilenden Weg zu Gott'", so Lee-Linke. Genauso wichtig wie das Wort war in diesem Gottesdienst die sinnliche Erfahrung von Glauben und Zuspruch – durch Handauflegung, Salbung und Wasserritus.
Heil werden können wir auch, wenn wir lernen, unseren begrenzten Lebensraum anzunehmen, unsere Beschränkungen zu bejahen – und nicht zu resignieren
Dabei grenzte Stuhlmann diesen Gottesdienst unmissverständlich von anderen „Heilungsgottesdiensten“ ab: „Wir versprechen ihnen nicht , dass Sie nach dem Gottesdienst ihren Rollstuhl nicht mehr brauchen oder dass Sie schmerzfrei nach Hause gehen. Das alles kann geschehen. Aber die Form der Heilung kann auch ganz anders aussehen“, so Stuhlmann, der auch Vorsitzender des Theologischen Ausschusses der Evangelischen Kirche im Rheinland ist. „Heil werden können wir auch, wenn wir lernen, unseren begrenzten Lebensraum anzunehmen, unsere Beschränkungen zu bejahen – und nicht zu resignieren. „Gelegentlich muss ich auch Grenzen überwinden, mit ‚meinem Gott über die Mauer springen’. Menschen, die fragen und klagen, halten noch im Protest und Widerspruch an Gottes Versprechen fest, heil zu werden. Sie glauben an Heil auf Hoffnung gegen alle Hoffnung“, so Stuhlmann.
Persönlicher Segenszuspruch für die Gottesdienstteilnehmerinnen und Gottesdienstteilnehmer
Im Anschluss an die Predigt feierten die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher das Abendmahl und wurden zu sogenannten heilsamen Ritualen eingeladen. Die heilenden Rituale wurden von Laien, den Teilnehmerinnen der 7. Europäische Sommeruniversität, vorbereitet und ausgeteilt. Dabei konnten die Gottesdienstteilnehmer bei den Ritualen zwischen einem Wasser-Ritus zur Tauferinnerung, einer Einzelsegnung mit Handauflegung und der Salbung mit Rosenöl, einem Segen, „der unter die Haut geht“, wählen. Die Gottesdienstteilnehmerinnen und – teilnehmer nahmen dieses Angebot rege in Anspruch. „ Der Segenszuspruch hat mich sehr bewegt“, so exemplarisch eine der Teilnehmerinnen.
Lee-Linke hielt die Liturgie des Gottesdienstes. Sie schloss den Gottesdienst mit dem Perlensegen:
Die Perle ist ein Symbol eines neuen Lebens. Ein Sandkorn sticht in das Fleich der Muschel - es tut weh, es schmerzt. Das Fleisch muss viel Leid und Tränen durchstehen. Aber dieses Leid und diese Tränen werden durch die heilende Kraft des ebens in Freude verwandelt, und aus den Wunden wird etwas neues und kostbares, eine Perle, geboren.
Ich wünsche uns allen, dass Gott unsere Wunden heilt und unsere Trauer in neue Lebensfreude verwandelt.
Ihr seid die Perlen dieser Welt. Gehet hin in Frieden und Freude. Nehmt diese Perle als Erinnerung mit nach Hause und lasst Euch von diesem Symbol immer wieder ermutigen. Nehmt noch eine weitere Perle mit, für den Menschen, dem ihr diese Ermutigung weiterschenken möchtet.
Gott gebe euch Zuversicht und Ausdauer. Gott wandle eure Leiden und Nöte in Segen. Gott erfülle euch mit seiner Heiligen Geisteskraft und schaffe euer Leben neu. Amen.
über die 7. Europäische Frauen-Sommer-Universität an der Evanglischen Akademie im Rheinland
Der Gottesdienst fand statt im Rahmen der 7. Europäischen Sommerakademie der Frauen „Heil und Heilwerden. Kreativer Umgang mit der Heilung heute“. In seiner Betonung gerade der spirituellen, heilenden Elemente knüpfte er an die biblische, neutestamentliche Tradition an. Das Neue Testament berichtet davon, dass die Verkündigung Jesu immer auch mit der Heilung von Kranken verbunden war. Dieser Aspekt wurde in den verfassten Kirchen Europas seit der Aufklärung immer weiter zurückgedrängt. „Ich glaube, dass in andren Kontinenten christliche Kirche auch weiter heilende Gemeinschaft war und wir in Europa jetzt wieder von Christen in anderen Erdteilen diese alte biblische Tradition wiederentdecken können“, so Stuhlmann.
85 Frauen aus dem deutschsprachigen Raum und weiteren Ländern (Frankreich, Italien, Weißrussland, Eritrea und Korea) , evangelische ebenso wie katholische Christinnen und Frauen mit buddhistischem, orthodoxem, islamischen und jüdischen Hintergrund, haben an dieser Sommeruniversität teilgenommen. Sie setzten sich mit der Frage auseinander, was „Heil und Heilwerden“ in Heilungsgeschichten der Bibel meint und was iese Begriffe für uns heute bedeuten können. Interkulturelle und interreligiöse Aspekt wurden dabei einbezogen.
Zum Weiterlesen: das Programm des Gottesdienstes und Texte über Heil und Heilung
Das Programm des Gottesdienstes finden Sie hier zum Donwload.
Weitere Aspekte, die im Rahmen der Sommeruniversität behandelt wurden, sind nachlesbar in der Veröffentlichung:
Sung-Hee Lee-Linke (Hrsg.): Heil und Heilung.
Erfahrung im Glauben und Leben
Frankfurt a.M. : Verlag Otto Lembeck 2006
16,00 Euro
Das Buch ist über den Buchhandel zu beziehen.
hbl 20.03.2006
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