Theologie und christliche Spiritualität heute
Wie spirituell kann Kirche sein?
Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Werkstattgespräches, das am 13. März 2009 in der Evangelischen Akademie im Rheinland stattfand. Die Beiträge des Nachmittags sind hier zum kostenlosen Download eingestellt. Die Veranstaltungsreihe wird fortgesetzt.Mit diesem Angebot wollen wir alle die ansprechen, die die viel beklagte Unfähigkeit der etablierten Kirchen, Menschen mit Sehnsucht nach Spiritualität zu erreichen, nicht einfach hinnehmen wollen. Wir möchten ihnen ein Forum bieten für gemeinsame Überlegungen zu einer neuen "kirchlichen Spiritualität", die an unsere biblischen und theologischen Traditionen anknüpft. Hier geht es vor allem auch um eine Orientierung an der Pneumatologie, die direkt unser Leben berührt.
Wir hoffen, so den Theologinnen und Theologen in unserer Kirche behilflich sein zu können, die nach theologisch reflektierter Spiritualität suchen und die Quellen unserer spirituellen Tradition entdecken wollen.
Darüber hinaus werden wir gemeinsam überlegen, wie die Grundvollzüge unserer Kirche (Kasualien, Gottesdienste ....) als bewusst spirituelle Angebote gestaltet werden können.
Den Einführungsvortrag am Nachmittag der ersten Veranstaltung hielt Professor Dr. Ralf Stolina
vom Institut für Aus-, Fort- und Weiterbildung der Evangelische Kirche von Westfalen:
Das Geheimnis Gottes und die Würde des Menschen -
Grundfragen evangelischer Spiritualität
Die weiteren Beiträge kommen aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern der Evangelischen Kirche im Rheinland
Zum Themenbereich "Erfahrungen mit der kirchlichen Spiritualität“ sprachen:
- Pfarrerin Petra Reitz, Gemeindepfarrerin in Grevenbroich
Erfahrungen mit dem Konzept „Geistliche Begleitung“ - Pfarrer Werner Zupp, Citykirche Neuwied
Was Menschen in offenen evangelischen Kirchen suchen – Ergebnisse einer Umfrage - Pfarrerin Andrea Gorres, Schul- und Gemeindepfarrerin in Boppard, Psychotherapeutin (HPG) / (DGfP)
Spiritualität als angewandte Theologie – Erfahrung mit geistlichen Übungen in der Gemeinde
Zum Themenbereich "Herausforderungen für eine kirchliche Spiritualität“ sprachen:
Jutta Beldermann, Regionalkoordinatorin Vereinte Evangelische Mission, Wuppertal
Spiritualität im ökumenischen Lernprozess - Pfarrer Hans-Hermann Pompe, Leiter gmd, Wuppertal
Spirituelle Sehnsucht als Herausforderung für herkömmliche missionarische Formate - Pfarrer Dr. Markus Dröge, Superintendent des Kirchenkreises Koblenz
Taufe und Abendmahl als spirituelle Herausforderung – Programmatische Fragen
Das ausführliche Programm und die Beiträge dieses Werkstattgespräches finden am Schluss dieses Artikels zum kostenlosen Download bereitgestellt.
Nachgefragt:Was meint eigentlich "christliche Spiritualität"?
Der Begriff "Spiritualität" wird heute in verschiedenen Zusammenhängen verwendet. Auch die Esoterik bezieht sich auf diesen Begriff.
Deshalb ist die Frage um so wichtiger, was eigentlich christliche Spiritualität meint.
Die Theologische Realenzyklopädie beschreibt das so:
Christliche Spiritualität ... ist die Entfaltung des gelebten Glaubens...
Christliche Spiritualität lebt von reflektierender Unmittelbarkeit und von kontinuierlicher Übung...
Christen brauchen spirituelle Glaubenszugänge, die lebensgeschichtliche Tiefe erreichen. Sie sind wahrnehmbar in Gottesdienst, Frömmigkeit, Übung, Lebensgestaltung und elementarisierter Theologie, am besten in einem Geflecht dieser fünf Zusammenhänge, das einer bloßen 'patchwork'-Spiritualität entgegentreten kann. Spirituelle Glaubenszugänge zielen primär nicht auf moralische Gebote und Verbote, sondern auf die verbindliche Zusage des Heiligen Geistes, sie verharmlosen nicht Anfechtungen und Zweifel, sondern nehmen sie als Phänomene ihrer Zeit ernst.
(TRE, Band 31, S. 709 und S. 712 f., Berlin 2000)









