Evangelische Akademie im Rheinland

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Ergebnisse der 1. Internationalen Fachkonferenz 

Welchen Beitrag können die Religionen zum Frieden leisten?

Internationale Fachkonferenz der Evangelischen Akademie im Rheinland stellte Handlungsmöglichkeiten dar

(Bonn, 26.10.2007) Rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind am vergangenen Mittwoch, 24.10.2007, der Einladung zur ersten internationalen Fachkonferenz zum Thema Frieden und Bewahrung der Schöpfung an der Evangelischen Akademie im Rheinland gefolgt. Im Mittelpunkt stand die Frage, welchen konkreten Beitrag die Religionen jeweils leisten können, um den Frieden in der heutigen Welt voranzubringen.

Bei ihrer Einladung zu der Tagung, die in dieser Form erstmalig an einer deutschen evangelischen Akademie stattfand, hatte Studienleiterin Professor Dr. Sung-Hee Lee-Linke nachdrücklich einen Paradigmenwechsel gefordert. Bisher hätten bei interreligiösen Treffen insbesondere die Begegnung selbst und das gegenseitige Kennenlernen im Vordergrund gestanden. Zukünftig müsse jedoch das gemeinsame Handeln in den Blick genommen werden : „Wir benötigen einen interreligiösen Dialog des Handelns, um über das Verständnis für einander hinaus gemeinsam eine Veränderung der Gesellschaft zu bewirken. Die Förderung von Frieden und die Bewahrung der Schöpfung müssen im konkreten Projekten deutlich werden, sie müssen sichtbare Glaubenszeugnisse der Religionen werden“, so die Theologin Lee-Linke. 

Das Podium der Tagung war mit internationalen Vertretern von Judentum, Buddhismus, Christentum und Islam besetzt. Für das Judentum war der frühere Direktor des Leo-Baeck-Instituts in London, Rabbiner Professor em. Dr. mult. Jonathan Magonet, anwesend. Der Präsident des Myokenkaku-ji Tempels in Osaka/Japan, Abt Nisso Takeuchi, vertrat die Position des Buddhismus. Die beiden christlichen Repräsentanten auf dem Podium waren Monsignore Dr. Felix Anthony Machado, Untersekretär des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog beim Vatikan, für die katholische und Dr. Ulrike Baumann, Leiterin des Pädagogisch-Theologischen Instituts der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), für die protestantische Seite. Die islamische Sicht brachte Rafet Öztürk, Beauftragter für Dailog und Zusammenarbeit bei der Türkisch-islamischen Union in Köln, ein.

Bei der Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass Frieden und Bewahrung der Schöpfung sowohl eine gesellschaftlichen und politische als auch eine persönliche Dimension haben.

Neben Wahrheit und Gerechtigkeit sei der Friede nach jüdischer Auffassung eine der drei Säulen für den Fortbestand der Gesellschaft, so Magonet. Die Juden hätten sich im Laufe ihrer Geschichte immer wieder als Ausnahme erfahren. Gerade deswegen könnten sie die Erfahrung vermitteln, dass Frieden nicht dann entstehe, wenn alle Dinge gleich sind, sondern wenn man ein Miteinander unterschiedlicher Interessen zulasse, so der Rabbiner weiter.

Takeuchi betonte die Verantwortung des Einzelnen, denn der Friede habe ebenso wie der Krieg seine Wurzeln im Inneren des Menschen. Deshalb sei Frieden nur dann zu erreichen, wenn sich der Einzelne dieses Ziel zur Herzensangelegenheit mache. Darüber hinaus plädierte er für einen integrativen Ansatz von Wissenschaft und Religion und für eine Zusammenarbeit der Religionen, um den Frieden zu fördern.

Machado sieht die von Gott jedem Einzelnen verliehenen Würde als zentrales Element an. Daraus leite sich die Verbesserung der Lebensbedingungen auf der Erde als eine ethische Forderung der Bibel ab. Er unterstrich die Verantwortung für die Weltgemeinschaft, der alle Religionen verpflichtet seien: „Gläubige aller Religionen müssen ihre Stimme gegen Gewalt, Terrorismus und Krieg vereinen“. 
 
Baumann unterstrich, das aus evangelischer Sicht der Weg des Friedens und der Versöhnung immer neu mit der Besinnung auf biblische Grundlagen beginnen müsse. Mit ihren Beispielen liefere die Bergpredigt Beispiele für eine paradoxe Intervention; mittels einer unerwarteten Reaktion könne der Gegner überrascht und die Beziehung zum Guten verändert werden. Eine wichtige Aufgabe komme dabei der Erziehung zu: Auch wenn sie nicht allein die Aufgabe einer Friedenssicherung übernehmen könne, so könne sich aber doch zu Gewaltreduzierung und Friedensfähigkeit beitragen. Schulen und internationaler Jugendaustausch seien frühe Chancen für interkulturelles Lernen.

Öztürk betonte, dass nach den Glaubenssätzen des Islam alle Gläubigen zu einem friedlichen Zusammenleben und zum aktiven Bemühen um Frieden um Frieden aufgerufen seien. Er benannte gelungene Beispiele für interreligiöses, gemeinsames Handeln. So haben z.B. in Köln katholische und evangelische Gemeinden, die Synagogengemeinde sowie DITIB mit konkreten Projekten für ein friedliches Miteinander der Religionen geworben;  u.a. haben sie gemeinsam ein Spielplatzprojekt in Köln-Ehrenfeld initiiert.       

Aus dem Plenum kamen insbesondere Fragen zum Aspekt Mission der Religionen untereinander und der Zulässigkeit von Gewalt in Konflikten.
 
Die beiden christlichen Vertreter vertraten die Auffassung, dass sowohl Mission als auch interreligiöser Dialog ihre Berechtigung haben. Als Christ wolle man Zeugnis geben von der christlichen Hoffnung, so Machado. Dabei müsse man aber den Respekt vor dem Gegenüber und vor der anderen Religion bewahren. Insoweit sei Mission dialogorientiert. Öztürk führte aus, dass der Islam den Begriff der Mission nicht kenne. Der Islam suche aber das Gespräch, um ein friedliches Zusammenleben der Religionen umzusetzen.

Einig war sich das Podium darin, dass Konflikte, die auf Machtkonflikten beruhen, von den Religionsgemeinschaften nicht als religiöse Konflikte legitimiert werden dürfen.

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hbl 26.10.2007


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