
Reinhard J. Voß
Schlussreflexion
• 1975 Nairobi: Gründung von „Ohne Rüstung Leben“ und Ökumenische Initiative Eine Welt“
• 1983 Vancouver: Gründung der Ökumenischen Netze im Konziliaren Prozess
• 1991 Canberra: Aufbau des „Oekumenischen Dienstes Schalomdiakonat“; Gründung erfolgte schon vorher mit Bezug auf Basel 1989 und Seoul 1990
• 1998 Harare: Aktivitäten in der Dekade zur Überwindung von Gewalt
• 2006 Porto Alegre: „Wirtschaften für das Leben“
2. Die Vorbereitung auf den Abschluss der DOV in Jamaika 2011 läuft noch schleppend; das öffentliche Interesse bleibt mäßig. Aber vom 1. Entwurf der Ab-schlusserklärung sind schon über 20.000 Exemplare in Deutschland verbreitet; die EKD hat eine Sonderpfarrstelle zur Begleitung des Prozesses geschaffen (Pfr. Rademacher) und in der katholischen Kommission Justitia et Pax wurde der Entwurf kritisch diskutiert und hoffentlich auch offiziell kommentiert. Beim ÖKT in München 2010 soll „Jamaika“ durch eine Tagesveranstaltung bekannter gemacht werden.
Der erste ÖRK-Entwurf fordert zwar Konkretionen ein, scheint sie aber auch bewusst zu vermeiden. In der AG 1 dieser Konsultation wurde dies ebenso wie zuvor von den VertreterInnen von ökumenischen Netzwerken, Initiativen und Organisationen stark kritisiert und dazu u.a. gefordert:
• Ergänzung der guten theologischen Grundlegung durch Analyse und Konkretion
• Einbeziehung des Agape-Prozesses und des damit verbundenen „processus confessionis“ in die Perspektive des Gerechten Friedens wie überhaupt dabei eine Verstärkung der Gerechtigkeitsdimension
• Konkretisierung durch „story-telling“-Beispiele zur Versöhnung und Vergebung
• Konfliktprävention als Grundlage, Methode und Ziel
• Benennung der Rolle von Kirchen in Unrechtsstrukturen
• Würdigung der Aktionen und der Aktiven im Konziliaren Prozess
3. Es braucht einige Grund-Optionen und -Thesen, die die Fülle von Analyse und Therapievorschlägen übersteigen und Orientierung für die nächste Dekade geben, wie z.B.
a. Den Krieg ächten! – Nachdenken über „Schutzpflicht“ für bedrohte Bevölkerungen in Konflikten. Dazu der Hinweis von F. Enns auf das neue methodistisch-katholische Papier zum „just policing“ (sein Literaturhinweis : Gerald W. Schlabach, Just Policing, Not War: An Alternative Respon-se to World Violence, Liturgical Press 2007)
b. Zivile Konfliktbearbeitung – Versöhnung - Vergebung
c. Gerechtigkeit geht dem Frieden voraus und mit ihm einher: Beispiele von Basisansätzen und internationalen Alternativen struktureller Gerechtig-keit (Beispiel Oicocredit; Agape-Prozess)
d. Konsum- und Lebensstil-Kritik und alternative Gesellschafts- und Lebensformen
e. „Kirchen und Unrechtsstrukturen“. Selbstkritik und Wandlung
4. Die Konvokation darf nicht allein gelassen werden, sondern muss weltweit begleitet werden. Die living letters waren ein Anfang – es braucht neue Formen von Begegnung und Vernetzung über Internet, etc. – Dazu hat die AG zwei gute und praktische Vorschläge gemacht, wie
• Erneuerung bestehender ökumenischer (internationaler) Partnerschaften mit dieser neuen Perspektive, inklusive „storytelling“;
• Verbindung von Jugendlichen im „weltwärts“-Programm und Ökumene-Prozess;
• Förderung Interreligiöser Begegnungen;
• Organisieren vorbereitender Prozesse und begleitender Programme zu „Kingston 2011“ – sowohl Besuchsprogramm in Jamaika selbst als auch weltweit vor Ort (parallel zur Konvokation über und in Gemeinden, Schulen, Verbänden, Netzen, Organisationen, etc.).
5. Die Gerechtigkeitsökumene darf nicht länger auf die Konfessionsökumene warten (um Konrad Raisers Worte einzubringen), sondern sollte strukturell, spiritu-ell und politisch ihren eigenen Weg gehen – aber immer personell verbunden mit den noch zögernden Kirchen. Gerade die praktisch arbeitenden Teile der Kirchen wie Caritas und Diakonie sind bleibende ökumenische Stabilisatoren, viele neue ökumenische Basisansätze ebenfalls, wie ich sie exemplarisch seit Jahrzehnten in Wethen erlebe (Ökumenische Initiative Eine Welt, Schalomdiakonat, Ökumenische Zukunftswerkstatt; Ökumenische Gemeinschaft).
Ein „Nachsatz“ noch: Zu all diesen Perspektiven ist es wichtig, die produktive Spannung zwischen Basisbewegungen und offiziellen Kirchen fruchtbar zu halten, wieder zu machen und zu erweitern - gerade auch durch die Praxis und Vision des „Konziliaren Prozesses gegenseitiger Verpflichtung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“.
Reinhard Voß,
13. September 2009
Reinhard J. Voss 16.10.2009
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