Friedenskonvokation
Internationale Tagung kritisiert ersten Entwurf
Christinnen und Christen diskutieren weltweit eine „ökumenische Erklärung zum gerechten Frieden“ - so auch im Rheinland. Die sogenannte Friedenskonvokation des Ökumenischen Rates der Kirchen soll 2011 in Jamaika verkündet werden.Ulrike Chini von der ökumenischen Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit bemängelte die Vernachlässigung des Schwerpunktes „Gerechtigkeit“. In dieser Hinsicht sei der Entwurf längst nicht so mutig wie vorherige Erklärungen. Zwar rufe der Text die Kirchen dazu auf, sich „als moralische Stimme“ für struktrelle Veränderungen einzusetzen, so Chini. „Aber die Praxis eigenen Handelns der Kirche als Akteur innerhalb des Wirtschaftssystems wird nicht thematisiert.“ Nur mit einer Veränderung ihrer eigenen Strategie könnten die Kirchen ein politisch glaubwürdiges Profil erlangen.
Auch der ehemalige Generalsekretär der deutschen Sektion von Pax Christi, Reinhard J. Voß, ermunterte die Kirchen zur Selbstkritik und zur Benennung von Unrechtsstrukturen. Gerechtigkeit gehe dem Frieden voraus und gehe mit ihm einher, sagte der katholische Publizist.
Dreiklang „Frieden, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit“
Über Friedensarbeit in Asien, Afrika und den USA berichteten die internationalen Gäste des Forums. Marja Coons-Torn von der amerikanischen United Church of Christ sagte, zwar hätten die Vereinigten Staaten in Barack Obama einen „wundervollen Präsidenten“. Sie bezweifelte jedoch, dass er in der Afghanistan-Frage gut beraten sei und forderte eine offene Diskussion in den USA über Kriegführung.
Der Präsident der Baptistischen Kirche im Kongo, Kakule Molo, sagte, sein Land brauche Hilfe in der Konfliktbearbeitung und beim Ressourcenschutz. Die Demokratische Republik sei so reich an Bodenschätzen, dass sich lokale Kriegsfürsten immer wieder daran bereicherten. Gewaltfreiheit sei zwar ein hehres Ziel, den vielen bewaffneten Milizen in dem afrikanischen Land könne man aber nicht aus dem Weg gehen.
Ulrich Frey, Mitglied des Ausschusses für öffentliche Verantwortung der Evangelischen Kirche im Rheinland, forderte eine Stärkung der zivilen Konfliktbearbeitung. Die rheinischen Christen sollten ihr Wissen und ihre Kontakte nutzen, um sich für den Dreiklang „Frieden, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit“ einzusetzen.
Tagungsleiter Klußmann versprach, eine Zusammenfassung der Anregungen an den Ökumenischen Rat in Genf weiterzuleiten. Klußmann ermutigte die Teilnehmenden, ihre Ideen aber auch selbst einzubringen. Der Ökumenische Rat habe schließlich alle Christen dazu aufgerufen, ihre ganz persönlichen Erklärungen zum gerechten Frieden zu schreiben.
Sascha Stienen / ekir.de / Fotos: Hella Blum 14.09.2009
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