Landespfarrer Pompe spricht in der Evangelischen Akademie
Anziehend, erfahrbar, einladend:
Kommunikation des Evangeliums unter postmodernen Menschen„Wir sind in der Kirche ziemlich atemlos geworden“, so Pompe. Das Evangelium werde einer nachchristlichen Gesellschaft verkündet, die der Auffassung ist, sie habe es schon vollständig zur Kenntnis genommen, obwohl die Mehrheit es noch gar nicht erfasst hat oder nur durch Zerrformen kennt. „Damit trifft Kirche nicht auf eine säkulare Gesellschaft, sondern auf eine heidnische Gesellschaft“, so Pompe. Dieses Heidentum, erwachsen aus der Ablehnung des Christentums, sei gegenüber dem Evangelium weitaus resistenter, als es das vorchristliche Heidentum gewesen sei.
Wie kann das Evangelium angesichts dieser Situation unter Menschen mit modernem und postmodernen Anteilen weitergegeben werden? Pompe stellte dazu drei Thesen vor:
1. Die Weitergabe muss anziehend sein
Kommunikation der Menschen untereinander ist die effektivste Form der Weitergabe. Viele Untersuchungen belegen, dass weltweit über 80 Prozent der Menschen durch ihre Familien, FreundInnen, Alltagskontakte oder NachbarInnen zum Glauben gefunden haben.
Angesichts dieses Befundes müsse sich Kirche allerdings heute fragen, ob sie genügend in die Beziehungsfähigkeit und Sprachfähigkeit der einzelnen Gemeindeglieder investiere. Pompe wies auf ein bestehendes Missverhältnis hin: Heute würden die Engagierten noch viel zu sehr in Gremien verbraucht und zu wenig zu Kontakten, Beziehungen und gelebter Gastfreundschaft ermutigt.
2. Erfahrbar: Teilnahme kommt vor Erkenntnis
Der postmoderne Mensch will die Kirche nicht mehr als Dienstleistung nutzen. Er will Möglichkeiten der Teilnahme und der Erfahrung bei gleichzeitiger Freiheit dazu, ob er sich beteiligt. Die Reihenfolge der Schritte zum Glauben haben sich damit radikal verändert.
3. Einladend: Gemeinschaft kommt vor Glauben
Der Weg zurück zur Kirche bedarf gemeinsamer Wegstrecken und erfahrener Gemeinschaft mit den Gemeindegliedern. Aber die Erfahrung der Gemeinschaft wie z.B. eines gemeinsamen Essens, darf nicht allein stehen, sie muss verzahnt mit Angeboten der Vertiefung, wie z.B. einem Glaubenskurs.
Abschließend konkretisierte Pompe seine Überlegungen anhand eines Beispiels:
Ein Ehepaar fand Zugang zur Gemeinde über wachsende Beziehungen, sie fanden Zugang zum Glauben über konkrete Angebote zum passenden Zeitpunkt. Dazu kam eine attraktive Gemeinde mit Menschen aus ihrer Altersgruppe und anziehende Gottesdienste. Es gab die Erfahrung von Seelsorge und Lebenshilfe ohne Bedingungen, die Verlockung zur Mitarbeit durch Entdeckung ihrer Gaben – der Weg zum Glauben wurde angeboten auf einem gemeinsamen Weg. „Die Mitgliedschaft war dann ein Resultat, nicht aber die Voraussetzung“, so Pompe.
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20.08.2006
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