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Muslime und Nichtmuslime als Partner. Foto Pixabay Foto Pixabay

Pressemitteilung der Konrad-Adenauer-Stiftung, des Muslimischen Forms Deutschland und der Evangelischen Akademie im Rheinland

Muslime und Nichtmuslime als Partner

Fachtagung thematisiert gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland

Die Wahrung der säkularen Ordnung des Staates und der Schutz der Freiheit des Einzelnen sind der Schlüssel zu einer Solidargemeinschaft, in der Muslime und Nichtmuslime zusammen leben können

(Bonn, 27.3.2017) Auf einer gemeinsamen Tagung der Konrad-Adenauer-Stiftung (Politisches Bildungsforum NRW), der Evangelischen Akademie im Rheinland und des Muslimischen Forums Deutschland (MFD) diskutierten Muslime und Nichtmuslime am vergangenen Wochenende über die Frage, ob und inwieweit der Islam zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen kann.

Der Staatsrechtler Prof. Dr. Otto Depenheuer von der Universität zu Köln betonte in seinem Einführungsvortrag, dass das Verfassungsrecht die Frage nach dem gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht allein beantworten könne, es bedarf auch eines gesellschaftlichen Umfeldes der Befriedung und Zusammenarbeit. In der Staatstheorie gehe es zwar um die Etablierung einer guten politischen Ordnung, doch Globalisierung, Digitalisierung und Migration stellten den säkularen Staat vor enorme Herausforderungen. Deswegen müssten soziale Konflikte in der Mitte der Gesellschaft offen diskutiert werden. Dafür sei eine klare Sprache vonnöten. Die vermeintliche politische Korrektheit habe aber das hervorgebracht, was sie eigentlich verhindern wollte: Populismus. Europa habe seine religiösen Konflikte durch die Einführung einer säkularen Ordnung überwunden und gewähre allen Religionen die gleichen Rechte, verlange ihnen aber zugleich ab, sich der jeweiligen Rechtsordnung unterzuordnen.

Der Politikwissenschaftler Dr. Marwan Abou Taam vom Muslimischen Forum Deutschland thematisierte die Konstruktion von Identitäten in pluralistischen Gesellschaften. Durch die Globalisierung erodiere die nationale Identität. Dies stelle die Gesellschaft vor die Herausforderung, Solidarität und gesellschaftlichen Zusammenhalt neu zu organisieren und auf eine neue normative Grundlage zu stellen. Dies erfordere eine gemeinsame Wertebasis, die religiöse und kulturelle Differenzen zulässt und Konflikte gewaltfrei löst. Die Religionsfreiheit in Deutschland ermögliche es den Muslimen, ihre Religion so frei und vielfältig auszuleben wie in keinem islamischen Staat. Jedoch erzeuge die Politisierung islamischer Identitäten eine gesellschaftliche Polarisierung, die Integration verhindere.

Die darauf folgende Podiumsdiskussion griff die Frage auf, inwiefern Religion die Gesellschaft spalte. Die Professorin für Islamische Studien an der Universität Frankfurt am Main, Armina Omerika, und der Iranist Dr. Mahmoud Rambod von der Universität Münster waren sich darin einig, dass Religion, sobald sie einen Machtanspruch formuliere, eine pluralistische Gesellschaft spalten könne. Wenn Religion und speziell der Islam jedoch die Potenziale des säkularen, freiheitlichen Rechtsstaates nutze, könnten sich auch neue theologische Ansätze entfalten, die einen konstruktiven Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten könnten.

Der Bochumer Islamwissenschaftler Dr. Michael Kreutz konstatierte, anders als in den europäischen Gesellschaften hätten manche Islaminterpretationen dafür gesorgt, dass die Freiheit des Individuums missachtet und der Gläubige immer auf das Kollektiv verwiesen wird und nur innerhalb des Kollektivs wirken könne. Diese fehlende Autonomie des Individuums habe gesellschaftliche und theologische Innovationen verhindert und Konformität erzeugt. Die Reformation habe hingegen die Freiheit des Christenmenschen und seine persönliche Beziehung zu Gott befördert. Eine entsprechende Entwicklung fand bis heute im Islam nicht statt. Am Beispiel der Muslime in Deutschland kritisierte Kreutz, dass die Auseinandersetzung mit der Moderne eher zur Verstärkung autoritärer Strukturen innerhalb der muslimischen Gemeinschaft führe. Das Leben in der Diaspora befördere patriarchalische Strukturen.

Eine weitere Herausforderung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt stellt nach Jörgen Klußmann M.A. von der Evangelischen Akademie im Rheinland die zunehmende Islamfeindlichkeit in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung dar. Anti-islamische Haltungen seien mittlerweile salonfähig geworden, ähnlich wie der Antisemitismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Eine Gleichstellung von Antisemitismus und Islamfeindlichkeit sei aber nicht zielführend, da es sich es sich um unterschiedliche Phänomene handele, die verschiedene Ursachen hätten. Mögliche Handlungsstrategien im Umgang mit Islamfeindlichkeit sah er im Dialog, der Begegnung und Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte. Der Weg dahin sei allerdings lang und mühsam.

In seinem abschließenden Vortrag zeigte Dr. Ahmed Abd-Elsalam von der Universität Münster anhand der Gemeindeordnung von Medina theologische Wege auf, die den Muslimen erlauben, sich als produktive Kraft in der deutschen Gesellschaft zu betätigen. Der Islam verfüge damit durchaus über integrative Potenziale. Muslime müssten jedoch althergebrachte dualistische theologische Konzepte überwinden und neue integrative Ansätze in der Religion finden, die eine deutsche muslimische Identität zuließen.

Kontakt:
Jörgen Klußmann M.A.
Studienleiter
Evangelische Akademie im Rheinland
Friedrich-Breuer-Straße 86
53225 Bonn
Tel.: 0228 479898-57
Mail: joergen.klussmann@akademie.ekir.de
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Jörgen Klußmann M.A. / GA / MS / 27.03.2017



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